Seit Beginn der Corona-Pandemie wartet die Welt auf einen Impfstoff, nun gibt es die konkrete Hoffnung, dass demnächst ein Serum zugelassen wird, das – so die Angaben der Hersteller Biontech und Pfizer – bei 90 von 100 Geimpften die Infektion verhindert. Doch der Impfstoff wird auch nach seiner Zulassung nicht für jeden sofort verfügbar sein. Deshalb stellt sich die Frage, wie er gerecht verteilt werden kann.

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Foto: Marcus Simaitis

Christiane Woopen, 57, ist Vorsitzende des Europäischen Ethikrats und Professorin für Medizinethik an der Universität Köln. Seit Juli 2018 ist sie zudem Mitglied der Datenethikkommission der Bundesregierung.

Soll der Zufall entscheiden?

Soll es nach Alter, Beruf oder Einkommen gehen? 

Noch ist nicht bekannt, wie der Impfstoff in unterschiedlichen Altersgruppen und bei Vorerkrankungen wirkt, wie lange sein Schutz anhält und ob geimpfte Personen das Virus übertragen können. Das sind aber wichtige Informationen für eine Verteilung, die die Menschen aus guten und nachvollziehbaren Gründen für gerecht halten können. Wer also soll den Impfstoff zuerst erhalten? Und nach welchen Kriterien soll entschieden werden?

Schutzbedürftige zuerst?

Auf den ersten Blick ist es naheliegend, besonders schutzbedürftige Menschen vorrangig zu impfen: Menschen, die ein hohes Risiko haben, schwer zu erkranken und zu versterben. Damit würden Menschen mit Vorerkrankungen und Alte zuerst Zugang erhalten.

So könnte es sinnvoll sein, Menschen in Pflegeheimen, die das Haus ohnehin nicht verlassen und nur wenige Kontakte haben, nicht vorrangig zu impfen.

In dieser Gruppe gibt es aber erhebliche Unterschiede. Manche stehen mitten im Beruf, andere leben in einem Senioren- oder Pflegeheim, manche sind mobil, andere bettlägerig, manche sehen täglich viele Menschen, andere nur sehr wenige. Diese Unterschiede sollten bei der Verteilung berücksichtigt werden. 

So könnte es sinnvoll sein, Menschen in…