„Wir wollen nicht, dass Aserbaidschaner in unseren Häusern leben“, sagte eine Bewohnerin des Dorfes Charektar. „Alle werden heute ihr Haus abbrennen. Uns wurde eine Frist bis Mitternacht gesetzt, um zu gehen.“ „Heute ist der letzte Tag, morgen werden die aserbaidschanischen Soldaten da sein“, sagte ein armenischer Soldat.

Auch in  anderen Dörfern packten Bewohner ihre Koffer für die Flucht. Gläubige besuchten ein letztes Mal den Klosterkomplex von Dadiwank in einem Gebirgstal in Kalbadschar, eine der wichtigsten Stätten der Armenisch-Apostolischen Kirche. „Es ist sehr hart, sehr schmerzhaft. Wir sind gekommen, um Abschied zu nehmen“, sagte ein 40-jähriger Besucher mit Tränen in den Augen.

„Ich kann nicht glauben, dass dies das letzte Mal ist, dass ich hier sein werde“, sagte der 28-jährige Mjasnik Simonjan aus Wardenis in Nord-Armenien. „Dies ist das Land unserer Großväter. Diese Steine sind 800 Jahre alt“, sagte er, während er auf zwei kunstvoll verzierte armenische Kreuze deutete.

Der Priester Vater Howhannes sprach bitter über die bevorstehende Übergabe des Klosters an das mehrheitlich muslimische Aserbaidschan – dieses habe „nicht die gleichen Werte wie wir“. „Das Kloster gehört uns. Ich kann nicht gehen“, sagte er.

Die verfeindeten Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan hatten sich Anfang der Woche unter russischer Vermittlung nach sechswöchigen schweren Kämpfen auf einen Waffenstillstand in der Region Berg-Karabach geeinigt. Das Abkommen sieht vor, dass beide Kriegsparteien jene Gebiete behalten dürfen, in denen sie derzeit die Kontrolle haben – für Armenien bedeutet das große Gebietsverluste.

Russische Soldaten sollen dafür sorgen, dass die Waffenstillstandsvereinbarungen umgesetzt werden

Das Abkommen, gegen das es in der armenischen Bevölkerung heftigen Widerstand gibt, sieht auch einen für die Türkei wichtigen Punkt vor: einen Korridor von Aserbeidschan zu seiner Exklave Nachitschewan. Damit erhält Aserbaidschan eine Landverbindung zur…