Die Manager der Agrargenossenschaft Landgard denken und leben gern groß. Vorstände fahren schon mal Mercedes-AMG-Sportwagen als Dienstauto, Berater lässt man sich ein paar Millionen Euro kosten. Führungskräfte vergnügen sich auf Firmenkosten beim Karneval oder beim Oktoberfest. Restaurantbesuche mit Führungspersonal kosten schon mal ein paar Tausend Euro. Geld, so scheint es, spielt keine Rolle.

Wären da nicht die Schulden: Ende 2019 drückten das Unternehmen aus Straelen nahe der niederländischen Grenze 141 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Laut internen Unterlagen werden schon wieder neue Kredite erwogen, 30 Millionen Euro könnten demnach von der staatlichen KfW-Bank kommen.

Von Solidarität ist nicht mehr viel zu spüren

Für einen Großkonzern wären solche Summen kaum der Rede wert. Doch Landgard ist eine Genossenschaft, die von ihren Mitgliedern finanziert wird: 3000 Gartenbaubetrieben, die Blumen, Obst oder Gemüse anbauen und über Landgard vermarkten – eine größere Organisation dieser Art gibt es in Deutschland nicht. Nur im Verbund, so die Idee, können sich die Landwirte gegen die Macht des Einzelhandels behaupten. Von diesem Solidaritätsgedanken ist indes nicht mehr viel zu spüren. Unter den Genossen wächst der Unmut über die Selbstherrlichkeit ihrer Bosse und deren laxe Aufseher. Die Ersten fielen den Eskapaden bereits zum Opfer.