Es wäre „unverantwortlich“, die Corona-Maßnahmen jetzt zu lockern oder aufzuheben, erklärte Frankreichs Premierminister Jean Castex in Paris. Zwar sehe man positive Entwicklungen, es handle sich bisher aber um einen fragilen Trend. Der Druck in den französischen Krankenhäusern sei extrem hoch, und der Spitzenwert bei den Klinikeinweisungen habe sogar die Zahlen vom April übertroffen, berichtete Castex. Einer von vier Todesfällen im Land werde derzeit mit COVID-19 in Verbindung gebracht.

In Frankreich gelten schon seit rund zwei Wochen wieder strenge Ausgangsbeschränkungen. Die Menschen dürfen nur aus triftigem Grund auf die Straße und müssen dafür jeweils ein Formular ausfüllen – das wird polizeilich kontrolliert. „Ich habe dem Innenminister die Anweisung gegeben, streng zu sein, und ihn gebeten, die Mobilisierung der Strafverfolgungsbehörden, insbesondere in Paris und den Großstädten, weiter zu verstärken“, sagte Castex. „Der Feind ist nicht der Staat oder die Regierung, es ist das Virus.“

Deutliche Worte: Jean Castex am Donnerstagabend in Paris

Für Anfang Dezember stellte der Premier immerhin eine mögliche Öffnung des Einzelhandels in Aussicht. Er machte aber deutlich, dass Restaurants oder Bars auch dann vorerst weiter geschlossen bleiben würden. Auch die Ausgangs-Formulare blieben erhalten. Mit Blick auf Weihnachten und Silvester warnte Castex davor, mit Dutzenden Menschen zu feiern. Das wäre „unvernünftig“.

Frankreich mit seinen rund 67 Millionen Einwohnern könnte den Höhepunkt der Corona-Krise in den nächsten Tagen erreichen, heißt es aus Paris. Insgesamt wurden in dem Nachbarstaat Deutschlands bisher knapp 1,9 Millionen positive Corona-Tests registriert, die Zahl der Todesfälle wird offiziell mit fast 43.000 angegeben (Stand: 12.11.2020).

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