Mit drei Wörtern wird Dominic Cummings in die britische Geschichte eingehen: „Take back control“. Doch anstatt „die Kontrolle zurückzuholen“, wie die von ihm ersonnene Brexit-Kampagne versprach, machte Cummings in wenigen Monaten aus dem Vereinigten Königreich eine gespaltene Nation. Als sich die ominösen 350 Millionen Pfund, die London angeblich jede Woche nach Brüssel überweise, längst als Lüge entpuppt hatten, war der Zug, der die Briten aus der Europäischen Union herausführen sollte, nicht mehr zu stoppen – und auch Cummings‘ Karriere nahm Fahrt auf.

Als im Juli 2019 abermals ein Politiker mit aufsehenerregender Frisur und isolationistischen Vorlieben die internationale Bühne betrat, fuhr Cummings gleichsam als Tender mit der schnaubenden Lokomotive in die Regierungszentrale: Boris Johnson, der frischgebackene Tory-Chef und Premier, machte den Althistoriker zu seinem Chefstrategen, und die beiden Oxford-Absolventen verschärften die Tonlage im Chor, drohten fortwährend mit einem „No Deal“-Brexit und vertieften systematisch die Kluft zwischen EU-Freunden und -Gegnern.

Spalter halten zusammen

Die Spalter an der Spitze hielten lange Zeit eng zusammen, auch dann noch, als Cummings die öffentliche Meinung ausnahmsweise nicht gegen andere, sondern gegen sich selbst richtete, selbstredend unfreiwillig. Im Mai hatte der Sohn eines Projektleiters für Erdölbohrungen die Briten, die unter Ausgangsbeschränkungen wegen der COVID-19-Pandemie ächtzten, gegen sich aufgebracht: Er war verbotenerweise mit seiner infizierten Frau in den Nordosten Englands gefahren, zu seinen Eltern, die über 70 Jahre alt waren und nach den behördlichen Vorgaben keine Besucher hätten empfangen dürfen. Johnson beschwichtigte – trotz wogenden Zorns in den Medien – und Cummings blieb.

Ende des (Puppen-)Theaters? Cummings und Johnson (v. l. n. r.) mit anderen Satirefiguren in Westminster Station

Doch diesmal hat es für den Strippenzieher in Downing Street nicht mehr gereicht. Der…