Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed warf der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) schwere Verbrechen vor, wie der regierungsnahe Fernsehsender Fana BC berichtete. Mehrere Soldaten der Regierung seien nach der Eroberung der Stadt Shiraro gefesselt und erschossen gefunden worden, erklärte Abiy. Wie viele Opfer es gab, sagte er nicht. Er warf den Tigray-Kämpfern zudem vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Im Gegenzug beschuldigte die TPLF die Armee, bei der Bombardierung von Tigray „gnadenlos“ vorzugehen.

Zugleich teilte Abiy mit, die Armee haben den Westteil von Tigray unter ihre Kontrolle gebracht. Die TPLF sei nahezu geschlagen. Die Armee leiste nun humanitäre Hilfe und versorge die Bevölkerung mit Lebensmitteln. Eine Reaktion der TPLF, die den gebirgigen Bundesstaat im Norden des nordostafrikanischen Landes regiert, liegt bisher nicht vor.

Nach Berichten staatlicher Medien kündigte Verteidigungsminister Kenea Yadeta an, in den von der Armee kontrollierten Teilen eine Übergangsverwaltung einzusetzen. Zudem habe das äthiopische Parlament 39 Mitgliedern, darunter dem Regionalpräsidenten von Tigray, Debretsion Gebremichael, die Immunität vor Strafverfolgung entzogen.

Ministerpräsident Abiy Ahmed berichtet von Fortschritten seiner Streitkräfte (Archivbild)

Von der Außenwelt abgeschnitten

Die Regionalregierung von Tigray hatte am Mittwoch die Mobilisierung der Bevölkerung angeordnet und den Ausnahmezustand verhängt. Der Sender Tigray TV berichtet, Ziel sei es, sich gegen eine Invasion zu verteidigen. Weil die Region weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten ist, gibt es aber keine unabhängigen Berichte über die Entwicklungen in Tigray. Internet und Telefonverbindungen sind unterbrochen. Wie das UN-Flüchtlingshilfswerk mitteilte, sind Straßen blockiert und die Stromversorgung gekappt.

Seit Beginn der Kämpfe sind mehr als 10.000 Menschen aus Äthiopien in den Sudan geflohen. Das International Rescue Committee (IRC) erklärte,…