Forscher hatten es kommen sehen: Tropische Wirbelstürme würden stärker werden, dabei aber an Geschwindigkeit verlieren. Wissenschaftler wie Michael E. Mann von der Pennsylvania State University prognostizierten solche Trends schon vor Jahrzehnten.

Was damals manchen noch als düsteres Zukunftsszenario galt, wird immer häufiger gemessen. Die beiden Klimaforscher Lin Li und Pinaki Chakraborty vom Okinawa Institute of Science and Technology legen nun eine Studie vor, in der sie Hurrikans aus den Jahren 1967 bis 2018 im Golf von Mexiko oder an der Ostküste der USA untersuchten – insgesamt 71 Stürme, die alle das Festland erreicht hatten.

Die im Fachblatt „Nature“ veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis: Wenn tropische Wirbelstürme in Nordamerika auf Land treffen, schwächen sie sich heute deutlich langsamer ab als vor 50 Jahren. Hatten Hurrikans Ende der Sechzigerjahre nach einem Tag an Land durchschnittlich nur noch 50 Prozent ihrer Intensität, so sind es heute 75 Prozent. Den Trend erklären die Wissenschaftler mit der größeren Menge an Feuchtigkeit, die ein Wirbelsturm bei höheren Oberflächentemperaturen der Meere aufnehmen kann.

„Feuchtigkeit aus warmen tropischen Ozeanen treibt die intensiven Winde einer Hurrikan-Wärmekraftmaschine an“, schreiben die Wissenschaftler. Sobald ein tropischer Wirbelsturm auf Land trifft, wird er von dem Feuchtigkeitsnachschub des Ozeans abgeschnitten und verliert rasch an Kraft. Während inzwischen gut erforscht sei, wie steigende Temperaturen im Zuge des Klimawandels Hurrikans stärker werden lassen, gebe es bisher wenig Erkenntnisse über den Zerfall der Wirbelstürme an Land, stellen Li und Chakraborty fest.

Ende der Sechzigerjahre zerfielen tropische Wirbelstürme nach durchschnittlich 17 Stunden an Land, knapp 50 Jahre später waren es 33 Stunden – eine Steigerung um 94 Prozent. Analysen ergaben, dass die Dauer bis zum Zerfall weitgehend mit der jeweiligen Wassertemperatur an der Oberfläche des Ozeans zusammenhing: Je…