Der Albtraum der Wall Street ist intelligent und durchsetzungsstark: Elizabeth Warren. Die Senatorin aus Massachusetts will Finanzministerin im Kabinett von Joe Biden werden. Das Lieblingswort der 71-jährigen Juristin ist „Kampf“ – und den Kampf gegen die Macht der Konzerne und das Großkapital hat sie zu ihrem Markenzeichen gemacht. In der Bankenszene, die einer stärkeren staatlichen Regulierung von jeher ablehnend gegenübersteht, gilt die erfahrene Finanzexpertin als Schrecken.

Wahrscheinlich zu Recht: Nach dem Sieg der Demokraten lässt Warren keinen Zweifel daran, dass für die Unternehmen nun neue, härtere Zeiten anbrechen müssen. Um die Pandemie und die Wirtschaftskrise zu bewältigen, sei mehr notwendig als ein „Pflaster-Ansatz“, mahnte sie in ihrem Gratulationsschreiben an den künftigen US-Präsidenten: „Wir haben ein Mandat, um mutige Pläne umzusetzen.“

Im Biden-Lager allerdings ist die Lust auf eine Konfrontation mit der Finanzwelt – und einen möglichen Kurssturz an den Börsen pünktlich zum Amtsantritt – wenig ausgeprägt. Im seinem engen Umfeld gebe es Bestrebungen, Warren abzublocken, hat das Nachrichtenmagazin „Politico“ berichtet: „Es gibt Biden-Leute, die Warren schlicht nicht in der Regierung wollen und sich an ihrer Person und Agenda stören.“