SPIEGEL: Admiral Stavridis, es ist nur fünf Tage her, seitdem Joe Biden zum Wahlsieger erklärt wurde. Sind Sie noch in der Phase der Erleichterung oder schon wieder in Alarmstimmung, weil Donald Trump die Führung des Verteidigungsministeriums abgeräumt hat?

Stavridis: Es war in der Tat eine Achterbahnfahrt, wieder einmal. Der Samstag war ein guter Tag für die USA, da wir einen neuen, einen fähigen Präsidenten bekommen werden, der die Rolle der USA weltweit wieder richtig justieren wird. Ich bin auch immer noch zuversichtlich, dass der Spuk, den Präsident Trump gerade abzieht, bald vorbei ist. Gleichwohl bin ich alarmiert, denn der Wechsel an der Spitze des Pentagons ist sehr gefährlich.

SPIEGEL: Was genau ist so gefährlich?

Stavridis: Präsident Trump hat ja nicht nur den Verteidigungsminister ausgetauscht, auch seine wichtigsten Staatssekretäre, unter anderem den für den militärischen Geheimdienst zuständigen und den Stabschef. Alle drei Posten wurden mit unerfahrenen Personen ersetzt. Ihre einzige Qualifikation ist, dass sie absolut hörige Loyalisten von Trump sind. Es gibt einen drastischen militärischen Begriff dafür. Man spricht von einem Enthauptungsschlag, mit dem man dem Feind jegliche Führungsfähigkeit nimmt. Genau das hat Trump beim US-Militär angerichtet.

SPIEGEL: Trump selbst benutzte bei der Kündigung von Minister Esper den Begriff „terminated“, eigentlich ein Ausdruck für militärische Ziele, die durch Bomben oder Truppen ausgeschaltet worden sind.

Stavridis: Es ist eine Schande, was Präsident Trump da macht. Er ist sauer und frustriert, dass er die Wahlen verloren hat. Nun will er mit allen abrechnen, die ihm in den letzten Jahren auch nur ansatzweise Paroli geboten haben. Er holt zur Rache an Untergeben aus, lässt seinen Emotionen freien Lauf. Das ist eine der schlechtesten menschlichen Eigenschaften überhaupt und zeigt, dass er als militärischer Führer völlig ungeeignet ist.

SPIEGEL: Trotzdem bleibt er als Commander-in-Chief mit…