Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht das Verhältnis der Bürgerinnen und Bürger zur Bundeswehr in einer schwierigen Phase. Armee und Gesellschaft dürften sich „niemals fremd werden“, sagte Steinmeier bei einem feierlichen Gelöbnis zum 65. Gründungstag der Truppe. „Es droht ein freundliches Desinteresse, eine Gleichgültigkeit, die dem Vertrauen zwischen Bundeswehr und Gesellschaft nicht dient.“

Die Bundeswehr übernehme heute mehr Verantwortung als je zuvor, sei aber im Bewusstsein, im Alltag der allermeisten Deutschen fast unsichtbar geworden, sagte Steinmeier. In den letzten 65 Jahren habe sich die Truppe verändert: Sie sei bunter, kleiner und vielfältiger geworden. Auch sei die Bundeswehr heute professioneller und stehe in gefährlichen Auslandseinsätzen für Freiheit und Sicherheit ein. „Doch wie viel von dieser Realität nehmen die Deutschen eigentlich wahr?“, fragte der Bundespräsident.

„Ihre Kämpfe sind auch unsere Kämpfe“

Steinmeier erinnerte zudem an die Soldatinnen und Soldaten, die bei Auslandseinsätzen getötet oder verletzt wurden. „Ihre Kämpfe sind auch unsere Kämpfe, auch wenn, ja gerade, weil bei uns zu Hause Frieden herrscht. Das ist unserer Gesellschaft nicht nur zumutbar, das muss unserer Gesellschaft wichtig sein.“

Corona-bedingt legten nur neun junge Soldatinnen und Soldaten das Gelöbnis ab – stellvertretend für alle Rekruten im Land. Alle anderen Gelöbnisse hatte die Bundeswehr wegen der Pandemie abgesagt. Die Bundeswehr war nur zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1955 gegründet worden. Am 12. November 1955 erhielten die ersten 101 freiwilligen Soldaten ihre Ernennungsurkunden.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hob bei den Feierlichkeiten im Park von Schloss Bellevue die eigenständige, an den Grundwerten der Demokratie orientierte Tradition der Truppe hervor. Vorbildliches militärischen Handeln sei immer diesen Werten verbunden, sagte die CDU-Vorsitzende. „Treue, Tapferkeit, Gehorsam und…