Wandel ist ein weiches Wort. Es legt Einverständnis nahe. Im Wandel der Zeiten leben wir alle, und da seit vielen Generationen für die allermeisten vieles besser geworden ist – Ernährung, Gesundheit, Lebenserwartung und Bildung –, klingt Wandel unbedrohlich, sanft. Wer wandelt, schreitet mit Anmut unter Säulen, und wer sich wandelt, hat einen Prozess hinter sich, keinen Schock, der Erstarrung nach sich zöge. Die Wandlung hat erst recht einen guten Ton, sie lässt an Läuterung denken, an moralische Verfeinerung.

Es liegt also eine gewisse Passivität im Klimawandel; das passt. Spätere Generationen werden sich entsetzen, die Jungen wundern sich schon jetzt, die Wissenschaftler schütteln seit Jahrzehnten den Kopf: Wie ist es möglich, dass die Menschheit gegen ihr erstes, ihr primitivstes Interesse verstößt, die Erhaltung ihrer Lebensgrundlagen? Gegen die schiere Möglichkeit, ihre üblichen Rituale und Desaster – Familiengründung, Arbeit, Krieg und Unterhaltung – in der bewährten Umgebung abzuwickeln? In unseren Breiten: einem frischen, knisternden Frühling, „vom Eise befreit sind Strom und Bäche“, wie es bei Goethes Osterspaziergang heißt, in einem blühenden, zum Picknick ladenden Sommer, einem fruchtbaren, vielfarbigen, blätterrauschenden Herbst und, schließlich, einem Winter, da leise rieselt der Schnee? All das: in absehbarer Zeit perdu oder ein glücklicher Sonderfall. Schon jetzt sind die Sommer immer häufiger eine Zeit äußerer Dürre und innerer Lähmung, die konventionell bestellten Äcker stauben unter wüstenheißem Wind. Die Wälder ächzen unter der Trockenheit, der Borkenkäfer und die Miniermotte fressen sich durch Europa, der Splintholzkäfer macht den Ulmen den Garaus. Und der Schneemann wird bald nur noch im Liede Freund der Kinder sein. Eine Art Heimatverlust. Das Haus bleibt stehen, aber die Landschaft geht verloren.