SPIEGEL: Professor Sander, am Montag traf die Nachricht ein, dass sich der erste Impfstoff gegen das Coronavirus im bisherigen Test hervorragend schlägt. Viele Ihrer Kollegen reagierten auf die Pressemitteilung der Pharmafirmen Pfizer und des deutschen Startups Biontech mit spontaner Euphorie. Sie auch?

Sander: Freude und Erleichterung habe ich schon empfunden. Und Überraschung. Wir wussten bisher ja nicht, ob eine Impfung gegen Coronaviren überhaupt möglich sein würde. Das hatten wir nur gehofft.

SPIEGEL: Die neuartige Vakzine, maßgeblich entwickelt von Biontech aus Mainz, scheint eine Effektivität von 90 Prozent zu haben.

Sander: Das wäre sensationell. Der Flurfunk war eher von 70 Prozent ausgegangen, und auch das wäre schon hervorragend. Es gibt nur ganz wenige Impfstoffe, die eine solche Effizienz erreichen, etwa die gegen Masern oder gegen Röteln. Gegen die Influenza erreichen wir gerade einmal 60 Prozent, und noch weniger bei älteren Patienten. Ob die Erfolgsquote so bleibt, wenn die Studie über einen längeren Zeitraum ausgewertet wird, muss man natürlich noch abwarten, ebenso einige andere wichtige Details, die in der Pressemitteilung noch fehlten.