Das erste Urteil gegen einen 18-Jährigen aus dem württembergischen Gaildorf lautet auf besonders schweren Landfriedensbruch und versuchte schwere Körperverletzung. Der Sachschaden beläuft sich nach Gerichtsangaben auf rund 3000 Euro. Der junge Deutsche hatte vor dem Jugendschöffengericht eingeräumt, während der nächtlichen Krawalle die Heckscheibe eines Polizeiautos eingeschlagen und zwei Seitenscheiben zertrümmert zu haben. Das Urteil liegt deutlich über den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die sich für eine Bewährungsstrafe ausgesprochen hatten.

Nur Stunden später wurde ein zweiter angeklagte Randalierer ebenfalls zu einer Jugendstrafe verurteilt. Das Amtsgericht schickt den 19-Jährigen für 30 Monate hinter Gitter. Auch ihm wurde unter anderem besonders schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der 19-Jährige in der Krawallnacht ein Polizeiauto demoliert.

Der Rechtsanwalt Marc Reschke kündigte im Fall des 18-Jährigen umgehend an, Berufung einzulegen. „Das Urteil ist nicht akzeptabel, mein Mandant ist entsetzt“, sagte er. Die Tat sei zwar „eine große Dummheit“ gewesen, die Strafe dafür aber unverhältnismäßig. Sie müsse nun als Richtschnur für die kommenden Verfahren zur Krawallnacht gesehen werden. Dagegen betonte Gerichtssprecherin Monika Rudolph, mit dem Urteil werde keineswegs ein Exempel statuiert.

Durch vandalistische Akte entstanden bei den Krawallen in Stuttgart große Schäden

Etwa 100 Tatverdächtige ermittelt

Insgesamt erwartet das Amtsgericht dazu bis zu 100 Prozesse. Bei den nächtlichen Auseinandersetzungen in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 2020 im Juni hatten Hunderte vor allem junge Männer in der Stuttgarter Innenstadt randaliert. Es wurden zahlreiche Beamte verletzt und Schaufenster zerstört. Die Vorfälle sorgten weit über Stuttgart hinaus für Schlagzeilen und hitzige Debatten. Bislang wurden rund 100 Tatverdächtige ermittelt, die in der Nacht an den Krawallen beteiligt…