Nadir A. hatte gerade die schlimmsten Stunden seines Lebens hinter sich. Sein Sohn Yahya, sechs Jahre alt, war auf der Flucht aus der Türkei nach Griechenland in der Ägäis ertrunken. Nadir selbst hatte das Bootsunglück knapp überlebt. 

Der Afghane war erschöpft und traumatisiert, als er am Sonntag auf der Ägäisinsel Samos ankam. Er hätte Beistand gebraucht, einen Psychologen, stattdessen sperrten ihn griechische Polizisten in eine Zelle. Sie werfen dem Familienvater vor, Yahya unnötigen Gefahren ausgesetzt zu haben. Nach griechischem Recht drohen ihm mindestens sechs Jahre Haft.

Griechenland schottet sich mit Gewalt gegen Flüchtlinge ab 

Die griechischen Behörden statuieren mit dem Verfahren ein Exempel. Nie zuvor wurden Geflüchtete nach diesem Gesetz angeklagt. Der Vorgang verdeutlicht, wie die Rechte von Schutzsuchenden in Europa immer weiter untergraben werden.

Griechenland schottet sich seit Monaten zum Teil mit brutaler Gewalt gegen Migrant*innen ab. Der SPIEGEL und andere Medien haben dokumentiert, wie griechische Grenzschützer Flüchtlinge illegal in die Türkei zurückschleppen. Im März haben griechische Sicherheitskräfte an der Landesgrenze zur Türkei auf Schutzsuchende geschossen, mindestens zwei Menschen kamen ums Leben. 

Der Fall Nadir A. zeigt, dass die griechische Regierung entschlossen ist, ihre Abschreckungspolitik mit aller Macht fortzusetzen.

Nadir A., 25 Jahre alt, ist in Afghanistan geboren und als Halbwaise in Iran aufgewachsen. Später ging er in die Türkei, wo er heiratete und einen Sohn, Yahya, bekam. Doch die türkischen Behörden lehnten sein Asylgesuch ab, wollten die Familie nach Afghanistan schicken. Nadir entschied sich, nach Europa zu fliehen.

Die See war ruhig, als Nadir in der Nacht von Samstag auf Sonntag gemeinsam mit zwei Dutzend weiteren Migrant*innen nach Griechenland übersetzte. Kurz vor Samos wurde das Boot jedoch von einer Welle erfasst und gegen einen Felsen geschleudert. Einer der Flüchtlinge verständigte Agean…