Die 49-jährige Peruanerin María Elena Tintaya dachte, sie hätte einen Traumjob ergattert. Ihre Schwester hatte ihr in Chile Arbeit als Hausangestellte in Chicureo, einem Reichenort im Großraum Santiago, besorgt. „Ich hatte viele Erwartungen und Träume“, sagt Tintaya. „Dafür habe ich meine fünf erwachsenen Kinder in Peru zurückgelassen.“ Den Großteil ihres Lohns von umgerechnet rund 430 Euro monatlich wollte sie nach Peru überweisen, um ihre Familie zu unterstützen – dort liegt der Mindestlohn bei etwa 200 Euro.

Anfang März zog sie bei ihren Arbeitgebern ein, sie kümmerte sich um den Haushalt und die zwei Kinder. Doch nach nur wenigen Tagen verwandelte sich der Traumjob in einen Albtraum. Die Coronakrise erreichte Lateinamerika, und die chilenische Regierung verhängte eine Ausgangssperre, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. „Meine Arbeitgeber haben mir gesagt, wenn ich das Haus verlasse, verliere ich meinen Job oder ich komme ins Gefängnis“, erinnert sich Tintaya. „Ich habe jede Nacht geweint.“

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María Elena Tintaya trat im März ihren neuen Job an – dann kam die Krise

Foto: privat

Sie erhielt zwar weiter ihren Lohn, durfte in den folgenden fünf Monaten aber kein einziges Mal rausgehen, nicht einmal an ihrem Geburtstag. Sie erzählt im Telefoninterview, dass sie manchmal nur eine Mahlzeit am Tag bekommen habe.

In ihrem Zimmer sei das Dach undicht gewesen, bei winterlichen Temperaturen habe es durchgeregnet. Ende August wurde sie ganz entlassen. „Sie haben mich einfach auf die Straße gesetzt“, sagt Tintaya. „Ich war verzweifelt, weil ich niemanden kannte.“

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Angst vor dem Abstieg: Millionen von Menschen haben ihre Arbeit verloren

Foto: Ivan Alvarado / REUTERS

In ganz Lateinamerika haben Millionen von Menschen wie die peruanische Hausangestellte María Elena Tintaya plötzlich ihre Arbeit verloren. In der Pandemie versuchten die meisten Staaten, ihre fragilen…