Das Ende kam überraschend schnell: Der militärische Konflikt im Südkaukasus zwischen Armenien und Aserbaidschan wurde in der Nacht zu Dienstag gestoppt – mit einem Waffenstillstandsabkommen zwischen Russland, Armenien und Aserbaidschan.

Das Abkommen folgt nur einen Tag auf den entscheidenden Sieg Aserbaidschans im Kampf um die umstrittene Region Bergkarabach – der Einnahme der strategisch wie symbolisch wichtigen Stadt Schuscha (armenisch: Schuschi). Der Konflikt hatte seit Ende September mehr als hundert Zivilisten und Tausende Kämpfer auf beiden Seiten das Leben gekostet.

Das kurze Dokument – eine gemeinsame „Erklärung“ von Präsident Wladimir Putin, Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew und dem armenischen Premier Nikol Paschinjan – wurde zuerst vom Kreml veröffentlicht. Es wird vermutlich auf Jahre hinaus die neue Lage im Südkaukasus fixieren. Was sind seine Kernpunkte?

Am wichtigsten ist: Das Abkommen ist so robust, dass es halten kann. Es enthält die Entsendung einer Friedensmission aus knapp 2000 russischen Soldaten. Alle bisher vereinbarten Waffenruhen sind bisher nach kürzester Zeit gescheitert – diese wohl nicht. Keine der Kriegsparteien kann es sich leisten, Moskaus Truppenpräsenz zu missachten. Sie ist zunächst auf fünf Jahre festgelegt.

Wie zu erwarten, spiegelt sich Armeniens militärische Niederlage im Dokument klar wider. Zwar muss Aserbaidschan seine Truppen auf der gegenwärtigen Frontlinie anhalten und darf nicht weiter vorrücken. Aber Armenien verpflichtet sich, Territorien zu räumen, die es Anfang der 1990er als Pufferzone um das eigentliche Bergkarabach herum besetzt hatte. Das mehrheitlich armenisch besiedelte Autonomiegebiet Bergkarabach (das sich von Aserbaidschan losgesagt hatte) war damals großzügig um sieben weitere Bezirke ergänzt worden, aus denen Armenien die aserbaidschanische Bevölkerung vertrieben hatte.

Glück im Unglück für Armenien: Immerhin ist die Türkei, die Aserbaidschan in diesem Krieg tatkräftig…