Julian Nagelsmanns Auftritt war stilistisch ein Hingucker: Beim Finalturnier der Champions League in Lissabon trafen der 33-Jährige und sein Team RB Leipzig im Halbfinale auf Mitfavorit Paris St. Germain, trainiert von Thomas Tuchel. Nagelsmann trug dabei einen grau-schwarz-weiß karierten Anzug, der für Aufmerksamkeit sorgte – sicher nicht ohne Kalkül. Denn bei den öffentlichen Auftritten vor dem Halbfinale hatte Nagelsmann eher im Schatten Tuchels gestanden. Immer wieder war Nagelsmann gefragt worden, ob der 14 Jahre ältere PSG-Coach, unter dem er einst in Augsburg als Scout und Analyst seine ersten Schrittte im Profifußball gemacht hatte, nicht sein Vorbild sei. Nagelsmann wirkte zunehmend genervt.  Die Laune nach dem Spiel war zwar nicht unbedingt gut – Leipzig hatte gegen PSG mit 0:3 klar das Nachsehen – doch stolz auf das Erreichte konnten Nagelsmann und sein Team nach dem ersten Champions-League-Halbfinale der Vereinsgeschichte dennoch sein. 

Bedient: Schon zur Halbzeit sah Julian Nagelsmann in Manchester gefrustet aus

Lehrgeld gegen United

Als Champions-League-Neuling kann man RB Leipzig nicht mehr bezeichnen. Schließlich spielt der Bundesligist das dritte Jahr in Folge in der Königsklasse des europäischen Fußballs und hat mit dem Halbfinaleinzug in der vergangenen Saison und teilweise spektakulären Auftritten für Aufsehen gesorgt. Eines der Spiele gegen PSG müsse gewonnen werden, „wenn wir in der Gruppenphase weiterkommen wollen“, hatte Nagelsmann nach der Auslosung mit Blick auf die Gegner Istanbul Basaksehir, Manchester United und Paris St. Germain gesagt. Sicher nicht einkalkuliert hatte er dabei die deftige 0:5-Heimpleite gegen Manchester United, die RB in der vergangenen Woche kassierte. 

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