Im internationalen Vergleich ist der deutsche Arbeitsmarkt bislang glimpflich durch die Krise gekommen. Doch auch hier hat die Pandemie Spuren hinterlassen, vor allem bei den Schwächsten – den geringfügig Beschäftigten.

Im Juni 2020 etwa ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lediglich um 0,2 Prozent oder rund 63.000 Menschen gesunken. Im selben Zeitraum verschwanden jedoch 850.000 Minijobs. Das ist ein Minus von zwölf Prozent. Mit 13 Prozent waren Frauen vom Rückgang etwas stärker betroffen als Männer (elf Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, die dem SPIEGEL vorliegt.

„Beschäftigte in Minijobs sind die Verlierer und Verliererinnen der coronabedingten Rezession“, sagt Markus Grabka, einer der Autoren. Für den DIW-Forscher ist auch unabhängig von diesem Befund „eine Reform der Minijobs längst überfällig“.

Das Grundproblem

Dass Minijobber besonders stark von der Krise betroffen sind, liegt nach Ansicht von Grabka vor allem an ihrer ungesicherten Situation. Sie haben weder einen Anspruch auf Kurzarbeitergeld, noch auf Arbeitslosengeld.

Zugleich haben etwa 40 Prozent der Minijobber nach eigenen Angaben keinen Arbeitsvertrag oder verfügen nur über einen befristeten Vertrag, so die Studie. „Gerade in einer Rezession können diese Beschäftigten schneller vor die Tür gesetzt werden als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die entsprechenden tarifvertraglichen und arbeitsrechtlichen Schutz genießen“, sagt Grabka.

Deshalb tauchen auch nicht alle Betroffenen automatisch in der Arbeitslosenstatistik auf. Für ihre Studie nutzten die DIW-Forscher deshalb nicht nur die Daten der Bundesagentur für Arbeit und der Minijobzentrale, sondern auch die des hauseigenen Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) – eine jährlich stattfindende große repräsentative Haushaltsbefragung.

Das Ausmaß

Mit den Arbeitsmarkreformen von 2003 wurden die Rahmenbedingungen für…