Die Klagen wegen des mutmaßlich krebserregenden Herbizids Glyphosat werden für den Chemie- und Pharmakonzern Bayer teurer als zunächst gedacht. Vorstandschef Werner Baumann geht inzwischen davon aus, dass ein wichtiger Teil des Vergleichspakets etwa zwei Milliarden Dollar kosten wird statt der ursprünglich erwarteten 1,25 Milliarden.

Dabei geht es um den Umgang mit möglichen künftigen Klagen wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids. Dieser Teil stand auf der Kippe, nachdem der zuständige US-Bezirksrichter daran Zweifel geäußert hatte. Bayer überarbeitete das Konzept und erwartet den Abschluss einer formellen Vereinbarung mit den Klägeranwälten in den nächsten Wochen, wie Baumann ankündigte.

Warum das überarbeitete Konzept teurer ist und welche Änderungen es vorsieht, wollte Baumann in einer Telefonkonferenz nicht sagen. Die Details seien vertraulich. Die Bedenken des Gerichts würden aber in „zufriedenstellender Weise“ adressiert.

Das ursprüngliche Konzept sah unter anderem die Einrichtung eines unabhängigen Wissenschaftsgremiums vor. Dieses sollte entscheiden, ob und zu welchen Mengen der glyphosathaltige Unkrautvernichter Roundup – der seit der Übernahme von Monsanto zur Bayer-Produktpalette gehört – Krebs verursacht. Nachdem der zuständige Richter Vince Chhabria Bedenken an diesem Vorschlag geäußert hatte, zog Bayer Anfang Juli seinen Antrag auf vorläufige Genehmigung zurück. Dieser soll nun in den nächsten Wochen wieder gestellt werden.

Bayer hatte sich Ende Juni in dem Rechtsstreit mit einem Großteil der Kläger geeinigt und war damals davon ausgegangen, dass für den Vergleich und mögliche künftige Fälle bis zu 10,9 Milliarden Dollar fällig werden.

Der Umgang mit künftigen Glyphosat-Klagen ist ein entscheidender Bestandteil des Vergleichs, da der Leverkusener Konzern eine Lösung finden muss, das Risiko künftiger Klagen zu mindern, ohne Roundup dafür vom Markt zu nehmen. Inzwischen seien für 88.500 der insgesamt…