Der Siemens-Konzern und seine gerade abgespaltene Tochter Siemens Energy müssen voraussichtlich eines ihrer ehrgeizigsten Vorhaben abblasen: den Bau eines riesigen Gaskraftwerks in Israel.

Trotz massiver Proteste von Anrainern und Umweltschützern wollte Siemens gemeinsam mit israelischen Partnern und Siemens Energy im Projekt „Reindeer Energy“ ein rund 750 Millionen Euro teures Kraftwerk errichten. Mit bis zu 1300 Megawatt Leistung sollte es der mit Abstand größte Gasmeiler werden, den private Investoren je in Israel gebaut haben.

Nun aber droht „Reindeer Energy“ das Aus. Der Grund ist eine Kehrtwende von Israels Regierung. Sie hat nun entschieden, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in den kommenden zehn Jahren zu verdreifachen: von knapp 10 auf 30 Prozent.

Dagegen werde es für den Neubau privater Gaskraftwerke – wie das Siemens-Projekt – ab sofort keine Lizenzen mehr geben, heißt es in dem Beschluss, über den zuerst die Tageszeitung „Haaretz“ berichtete. Demnach wird die Regierung privaten Investoren nur noch die Errichtung von Solarfeldern und anderen regenerativen Kraftwerken gestatten.

Landrätin ist „erleichtert“

„Wir sind erleichtert: das Reindeer-Kraftwerk wird nicht gebaut“, sagte Oshrat Gonen, die Landrätin der betroffenen Region Hod HaSharon, dem SPIEGEL. Israels Energieminister Yuval Steinitz habe ihr nach dem Beschluss noch einmal persönlich versichert, dass er gar keine solchen Lizenzen mehr vergeben werde. Und dem Siemens-Konsortium habe bis zuletzt noch die entscheidende Freigabe der Regierung gefehlt.

Ein Siemens-Energy-Sprecher sagte dem SPIEGEL auf Anfrage: „Wir haben keine offizielle Information der Regierung bekommen. Wir kennen die Details des Beschlusses nicht.“

Gegen das geplante Kraftwerk hatte es in der Region Proteste in 14 benachbarten israelischen und zwei palästinensischen Gemeinden gegeben. Der Meiler sollte in unmittelbarer Nähe der Demarkationslinie zwischen Israel und dem Westjordanland entstehen: weniger als 500 Meter…