Mit einem Großaufgebot rückte die Polizei am Donnerstag in das Obdachlosen-Camp auf das rund 100 Hektar große Gelände im Vorort Guernica der Hauptstadt Buenaos Aires vor. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kam es zwischen den mehr als 4000 eingesetzten Beamten und zahlreichen Bewohnern des Lagers zu gewaltsamen Zusammenstößen.

Aufnahmen des Fernsehsenders TN zeigten, dass die Polizei Tränengas und Gummigeschosse einsetzte. Bewohner des Camps versuchten wiederum, sich gegen die Räumung zur Wehr zu setzen, indem sie Steine und andere Gegenstände auf die Polizisten warfen. Den Angaben zufolge wurden mindestens sechs Beamte verletzt, mehr als 30 Obdachlose wurden festgenommen.

Die behelfsmäßigen Unterkünfte der illegalen Siedlung in Guernica wurden von der Polizei zerstört

Improvisierte Wohnsiedlung

Seit Juli hatten mittellose Famillien das in Privatbesitz befindliche ungenutzte Areal besetzt. Sie steckten Parzellen ab und errichteten einfache Hütten aus Holz, Pappe und Wellblech.

Zuletzt lebten über 1400 Familien auf dem Feld. Die Regierung der Provinz Buenos Aires sagte den Besetzern für ein halbes Jahr bis zu 50.000 Pesos (umgerechnet 545 Euro) monatliche Unterstützung zu.

Die Besitzer des Geländes hatten vor Gericht die Rückgabe eingeklagt. Viele der Bewohner verließen das Lager friedlich, als die Sicherheitskräfte einrückten. Zuvor waren Verhandlungen zwischen den Besetzern und den Behörden gescheitert.

Symbol für desaströse Wirtschaftslage

In der Corona-Krise haben die Arbeitslosenzahlen in Argentinien massiv zugenommen – und mit ihnen die Zahl der Wohnungslosen. Landesweit sind in den vergangenen Monaten zahlreiche provisorische Camps wie das in Guernica entstanden.

Bereits vor der Corona-Pandemie befand sich Argentinien in einer schweren Wirtschaftskrise: Seit 2017 steckt das südamerikanische Land in der Rezession, mehr als 40 Prozent der insgesamt 44 Millionen Einwohner leben in Armut, gut zehn Prozent sogar in extremer Armut. In der…