Die Ölpreise haben am Freitag im frühen Handel nachgegeben. Nach dem Preisrutsch der vergangenen Tage zeichnen sich am Ölmarkt die höchsten Verluste seit März ab. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 37,19 Dollar. Das waren 47 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 41 Cent auf 35,78 Dollar. Im Monatsverlauf sind die Preise für US-Öl damit um fast 12 Prozent abgerutscht.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen in Europa und den USA gehen Marktbeobachter inzwischen von einem Nachfrageschock in Europa aus. „Es wird klar, jetzt da Europa in die zweite Welle schlittert, dass die Erholung nicht so linear verlaufen wird, wie der Markt es eingepreist hat“, erklärte Rohstoffanalyst Jeffrey Halley vom Analysehaus Oanda.

Wichtige Entscheidungen, die die trüben Nachfrageaussichten aufhellen könnten, stehen zudem so bald nicht an. Während ein potenzielles US-Konjunkturpaket zumindest verschoben wurde, steht Ende November die Entscheidung des Ölkartells Opec über eine Verlängerung der Förderbeschränkungen an. Zudem gab die Europäische Zentralbank am Donnerstag bekannt, über weitere Unterstützungsmaßnahmen erst im Dezember entscheiden zu wollen.

Eine Reihe wichtiger Länder der Eurozone hat im Kampf gegen die Corona-Pandemie neue Beschränkungen des wirtschaftlichen Lebens eingeführt und damit die weitere konjunkturelle Entwicklung belastet.

Im Verlauf der Woche war bekannt geworden, dass der Interessenverband American Petroleum Institute (API) und die US-Regierung in der vergangenen Wochen einen Anstieg der Ölreserven verzeichnet hatten. Steigende Lagerbestände belasten in der Regel die Ölpreise.

Besser als erwartet ausgefallene Daten zum Wirtschaftswachstum in den USA konnte die Ölpreise im europäischen Nachmittagshandel immerhin etwas stützen. Im dritten Quartal hatte sich die größte Volkswirtschaft der Welt stärker vom Corona-Einbruch im Frühjahr erholen können als…