Sie kamen, um zu helfen – und wurden zu Tätern. Im Juni dieses Jahres galt der zweitgrößte Ebola-Ausbruch der Welt im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) als beendet. Kurz darauf, Ende September, veröffentlichten die Thomson Reuters Foundation und die Nachrichtenseite „The New Humanitarian“ einen gemeinsam erstellten Bericht, in dem NGO-Mitarbeitern sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden.

Mehr als fünfzig Frauen gaben demnach an, von Mitarbeitern verschiedener Hilfsorganisationen sexuell ausgebeutet oder genötigt worden zu sein. Die Männer sollen ihnen Jobs gegen Sex angeboten, ihnen mit Kündigung gedroht, sie in Büros und Krankenhäusern bedrängt haben.

Mindestens zwei Frauen sind nach eigenen Angaben schwanger geworden. Die Beschuldigten sollen dem Bericht zufolge unter anderem für die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Unicef, die Internationale Organisation für Migration (IOM), das kongolesische Gesundheitsministerium sowie für Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie Oxfam, Ärzte ohne Grenzen, World Vision und Alima gearbeitet haben. 

Andrew MacLeod ist Menschenrechtsanwalt und ehemaliger Entwicklungshelfer. Er hat Straftaten wie diese schon häufig mitbekommen.

Zur Person

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Foto: Andrew Macleod

Andrew MacLeod, 53, ist Menschenrechtsanwalt und war früher Entwicklungshelfer. In den Neunzigerjahren arbeitete er für das Internationale Rote Kreuz im ehemaligen Jugoslawien und in Ruanda, für die Uno in Pakistan und später auf den Phi­l­ip­pi­nen. Er ist Gastprofessor am King’s College London und Mitgründer von Hear their Cries. Die NGO setzt sich für eine bessere Aufklärung von Kindesmissbrauch in der Entwicklungszusammenarbeit und vor allem innerhalb der Uno ein.

SPIEGEL: Mehr als 50 Frauen gaben an, während der Ebola-Epidemie im Ostkongo unter anderem von NGO-Mitarbeitern sexuell ausgebeutet oder genötigt worden zu sein. Überrascht Sie das?

Andrew MacLeod: Jein. Ausbeutung und…