Die Bundesregierung hat sich immer noch keinen Überblick darüber verschafft, wie viele Menschen sich in Schlachthöfen, in Gärtnereien oder in landwirtschaftlichen Betrieben dieses Jahr mit dem Coronavirus angesteckt haben. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

„Zu den Fragen (…) liegen der Bundesregierung keine Informationen vor“, heißt es knapp im Antwortschreiben aus dem Gesundheitsministerium.

Die Linksfraktion hatte detailliert wissen wollen, wie viele Menschen in welchen Bundesländern sich in welchen Betrieben in der Landwirtschaft, dem Gartenbau und der Nahrungsmittelverarbeitung angesteckt haben. Zudem wurde erfragt, wie viele Personen erkrankten und wie die Krankheiten verliefen. Die Linksfraktion wollte zudem wissen, wie viele Erntehelfer aus dem Ausland betroffen waren.

Nichts davon konnte die Regierung beantworten.

Dabei waren Schlachthöfe schon im Frühjahr sogenannte Hotspots, in denen sich teils Hunderte Menschen infizierten. Immer wieder breitete sich das Coronavirus in den Betrieben aus, in denen Menschen oft in kalter Luft nah beieinander arbeiten und laut rufen müssen, um sich zu verständigen. Dazu leben Arbeiter, die nicht fest angestellt sind, häufig mit mehreren Personen in Räumen.

Für Erntehelfer hatte die Regierung im Frühjahr Sonderregeln erlassen, um ihnen die Einreise zu ermöglichen. Damals war die Bewegungsfreiheit in der EU eingeschränkt. Ohne Saisonarbeiter fürs Pflanzen und Ernten wären aber viele Betriebe nicht über die Runden gekommen.

Ging es um Überprüfung der Hygieneregeln, verwies die Regierung allerdings stets auf die Bundesländer oder die zuständigen Behörden in den Kommunen. Das tut die Bundesregierung nun auch in der Antwort auf die Anfrage der Linken, in der sie die zuständigen Behörden aufzählt.

Die Informationen dieser Behörden wurden offenbar nicht abgefragt und zusammengetragen, um ein Lagebild über das Infektionsgeschehen in…