Normalerweise treffen sich im Mai an der Côte d’Azur Stars und Sternchen, Produzenten, Verleiher, Filmkritiker und zahlreiche Filmfans. Sie posieren auf dem roten Teppich, gucken Filme im Kino, plaudern, diskutieren, feiern, schließen Verträge, knipsen Selfies. Und die Wettbewerbsteilnehmer schielen auf die Goldene Palme, die renommierte Auszeichnung, die beim Filmfestival in Cannes verliehen wird. 

Stattdessen jetzt eine Mini-Ausgabe des renommierten Filmfestivals im Oktober. Denn die Hoffnung, dass das Festival wie in den Vorjahren stattfinden könnte, hat sich nicht erfüllt. Schon im Sommer stiegen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen in Frankreich wieder an, die Côte d’Azur und damit auch die Croisette, Strandpromenade und Herzstück von Cannes, gilt seit August als Risikogebiet.

Filmfestival in Cannes: „Liebesbekundung“ an die Kultur

Da wundert es wenig, dass in diesem Jahr keine Hollywood-Stars eingeflogen und das Festival auf drei Tage verkürzt wurde. Man habe das Filmfest aber eben nicht ganz ausfallen lassen wollen, sagte Thierry Frémaux, der künstlerische Leiter des Filmfestivals, am Dienstagabend bei der Eröffnungszeremonie. 

Im Corona-Modus: Festivalleiter Thierry Frémaux (l.) und Festivalpräsident Pierre Lescure

Pierre Lescure, Präsident des Festivals, sprach von einer „Liebesbekundung“ an die Kultur. Zuvor schon hatten 56 Filme von den Festivalmachern ein so genanntes Cannes-Gütesiegel erhalten und können sich somit rühmen, zur offiziellen, prestigeprächtigen Cannes-Selektion gehören – auch wenn sie nicht über die Leinwände des Festivals gelaufen sind.

Lange hatten die Organisatoren gezögert, das Festival zu verschieben. Eine komplette Absage und damit eine leere Leinwand im Festivalpalast für das Krisenjahr 2020 käme nicht in Frage, sagte David Lisnard, Bürgermeister von Cannes. Im „kulturellen Notfall“ sei Unterstützung gefragt. „Die Veranstaltung zeigt, wie stark die Kreativindustrie ist, die nicht aufgibt….