Rote Pullis, rote Mäntel, rote Fahnen: Die Alarmstufe Rot ist im Kultur- und Veranstaltungsbereich bereits seit vielen Monaten ausgebrochen. Viele der teilnehmenden Demonstrierenden, die am Mittwoch, dem 28. Oktober, mit Musik und Lautsprechern durch Berlins Zentrum zogen, sitzen seit März auf dem Trockenen. Die Konzert- und Veranstaltungsbranche steht nahezu still.

„Wenn man ins Koma gelegt wird, muss man uns den Sauerstoff geben. Alles andere ist unseriös“, sagte Dirk Wöhler, Mitinitiator des Bündnisses „Alarmstufe Rot“, das von namhaften Musikern wie Herbert Grönemeyer oder Campino unterstützt wird. „Wir wollen Lösungen“, forderte Dirk Wöhler, Chef einer Eventagentur. 

 Dass statt einer Lösung ein erneuter Lockdown anstehen würde, das wagte wohl keiner der rund 5.000 Demonstrierenden zu denken. Doch genau diese Nachricht verkündete die Bundesregierung am frühen Abend genau dieses Tages: Im November wird das öffentliche Leben erneut zum Stillstand kommen, zunächst für vier Wochen. Doch gilt dieser Lockdown nicht für alle Lebensbereiche, betroffen sind ausschließlich Gastronomie, Sport und Kultur.

Künstler sind fassungslos

„In den letzten Monaten gaben Sie uns das Gefühl, weniger wert zu sein als Autos, Flugzeuge und Fußballspieler. Dabei gehören wir in der derzeitigen Pandemie zu den Wirtschaftszweigen, die ohnehin schon finanziell wesentlich schlechter gestellt sind als andere“, heißt es in einem Offenen Brief von zahlreichen Musik- und Comedystars wie Peter Maffay, Bela B oder Oliver Kalkhofe. Die Unterzeichner weisen auf existenzielle Nöte hin, „dass manche Unternehmer und Selbstständige sich bereits aus purer Verzweiflung das Leben genommen haben – es wird endlich Zeit für Sie, zu handeln!“

„So was wie heute habe ich noch nie gemacht“, sagt Till Brönner, weltweit erfolgreicher Jazzmusiker und Fotograf, der sich erstmals wortgewaltig auf Facebook den Frust von der Seele redete. „Das muss wohl daran liegen, dass ich ziemlich sauer bin“,…