DW: Herr Staeck, wie geht es Ihnen heute, am Tag nach den neuerlichen Corona-Beschlüssen?

Klaus Staeck: Besorgt, sehr besorgt über die neuen Corona-Zahlen. Und wer jetzt nicht besorgt ist, der verweigert die Realität – und seine eigene Verantwortung!

Macht Ihnen der drohende Lockdown für die Kultur zu schaffen?

Klaus Staeck

Ja! Die Kultur existiert ja, soweit sie als Kunst entsteht, jenseits von allen Bedrohungen. Für die Institutionen ist das aber teilweise eine Katastrophe. Ich mach mir zum Beispiel große Sorgen um das kleine Kino hier in meiner Heidelberger Hauptstraße. Wenn das noch Wochen oder Monate geschlossen bleibt: Wie soll das gehen? Die Vorsichtsmaßnahmen sind doch überall so ausgeklügelt, dass ich die generelle Schließung, die da jetzt droht, nicht ganz nachvollziehen kann. Man hat sich größte Mühe gegeben, Konzepte zu entwickeln, wie man dieser Ansteckung entgeht. Ich glaube, da wird viel zu viel pauschaliert im Augenblick. Trotzdem nehme ich das alles sehr, sehr ernst. Und ich hoffe, dass die meisten Kultureinrichtungen überleben. Viele Künstler werden nicht überleben können – jedenfalls nicht im Sinne einer bürgerlichen Existenz.

Was geht uns ab ohne die Kultur?

Ich kann mir das Leben ohne Kultur nicht vorstellen. Ein kulturloses Volk ist immer auf dem Wege in die Barbarei. Das mag pauschal klingen. Aber die Kultur brauchen wir. Wir Deutschen definieren uns ja gerade als Dichter und Denker. Warum sollten ausgerechnet wir glauben, Kultur sei verzichtbar? Manche mögen es einfacher haben. Aber eine kleine Bühne, die schließen muss – wie will die denn überleben? Ich weiß gar nicht, wo all die Milliarden herkommen sollen, die jetzt versprochen werden, wenn gleichzeitig weniger Steuern eingehen.

Eines der vielsagenden Plakate von Klaus Staeck, zuletzt 2018 ausgestellt im Museum Folkwang

Kultur ist also nicht Sache einer Minderheit, eines vermögenden Bildungsbürgertums? Und kann deshalb von der Politik vernachlässigt werden?

Nein,…