DW: Herr Prof. Köhne, sind neuerliche Museumsschließungen nötig und berechtigt?

Eckart Köhne: Naja, das ist zunächst mal eine politische Entscheidung. Gesundheit hat die oberste Priorität, das kann ich selbstverständlich nachvollziehen. Gleichwohl sind mir aus Museen keine Corona-Fälle bekannt. Museen sind keine Orte mit besonderem Risiko. Aber: Die bevorstehenden Einschnitte im Kulturbereich sind auf demokratischem Weg zustande gekommen. Ziel muss es sein, die Zahl der Neuinfektionen zu senken.

Was, fürchten Sie, steht den Museen bevor?

Ich rechne mit einer vierwöchigen Schließung. Zunächst müssen wir abwarten, wie die Länder die Beschlüsse umsetzen. Aber wir gehen davon aus, dass es auch die Museen trifft. Für sie wird es schwierige Einschnitte geben – etwa bei Ausstellungen oder beim Personal. Das bedeutet Verluste: Die Einnahme- und Verdienstausfälle betreffen uns alle, gerade auch private oder vereinsgeführte Häuser oder Museen, deren Bestand von Einnahmen abhängig ist. Bedauerlich ist auch, dass viele Menschen auf das Museum als sozialen Ort verzichten müssen.

Müssen trotz Hygienemaßnahmen wohl wieder schließen – die Museen in Deutschland

Die Frage ist doch: Gelingt es in vier Wochen, die Ansteckungswelle zu brechen? Wir hoffen, dass die Maßnahmen – einschließlich der Museumsschließungen – wirken.

Sie selbst leiten das Badische Landesmuseum, ein staatliches Haus. Was heißt ein Lockdown hier?

Wir rechnen fest mit der Schließung. Die Landesregierung in Stuttgart hat auf ihrer website schon angekündigt, dass der Lockdown auch die Museen trifft. Wir werden nun die Aufsichten teilweise wieder freistellen müssen – bei fortlaufender Bezahlung. Dies betrifft auch die Scouts für unsere Sonderausstellung ″Räuber Hotzenplotz“, das sind befristet angestellte Kolleginnen und Kollegen, die wir nach der Wiedereröffnung dringend brauchen. Auch werden wir unser Sicherheitskonzept aktualisieren. Es muss beispielsweise zusätzliche…