Die Exkursion in Würzburg beginnt an einer Linde, die bald sterben wird. Trocken und kahl sieht sie aus, mit braunrandigen Blättern, die zerbröseln, wenn sie abgezupft werden. Der Baum wurde vom Straßenverkehr gepeinigt, von Streusalz vergiftet, von der Sonne verbrannt. Susanne Böll, 63, gibt ihm „noch drei, vier Jahre“.

Die Biologin steigt in ihren VW Polo, den sie unter dem todkranken Baum abgestellt hat. Dann geht es die viel befahrene Ludwigstraße hinab, vorbei an anderen Alleebäumen, denen es ähnlich schlecht geht. Nach einigen Minuten erreicht die Wissenschaftlerin den „Ringpark“ und stoppt am Straßenrand. Sie warnt vor potenziell gefährlichen Grünastbrüchen und zeigt auf Bäume, die „notfruchten“, um vor ihrem drohenden Tod vermehrt Samen bilden zu können.

Deutschlands Bäume leiden, und die in den Innenstädten besonders. Schon immer war ihre Lebenserwartung deutlich geringer als die ihrer Artgenossen auf dem Land. Verkehr, Versorgungsleitungen und Versiegelung bereiteten ihnen schon genügend Probleme, nun kommt noch der Klimawandel hinzu. Viele halten das nicht mehr aus. Sie sind so geschwächt, dass sie ein leichtes Opfer für Krankheiten und Parasiten sind.