SPIEGEL: Frau Professor Ciesek, seit September sind Sie alle zwei Wochen im Wechsel mit Christian Drosten im NDR-Corona-Podcast „Coronavirus Update“ zu hören. Ihnen ist klar, dass Sie die Quotenfrau sind?

Ciesek: (lacht) Hm, schwierige Frage. Ich glaube schon, dass der NDR gerne eine Frau haben wollte. Aber nüchtern betrachtet halte ich genau die gleiche Stellung inne wie Herr Drosten. Ich leite ein virologisches Institut an einer großen Universität. Ich muss mich nicht verstecken.

SPIEGEL: Christian Drosten hat sich im Laufe der letzten Monate zu einem Popstar entwickelt, dem jetzt auch noch das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen wurde. Sie hingegen gelten als „die Neue an Drostens Seite“; so haben jedenfalls „Bild“-Zeitung und „Berliner Zeitung“ Sie bezeichnet.

Ciesek: Ich schätze Christian Drosten sehr, er ist ein intelligenter, richtig lustiger Kollege, ein netter Mensch. Ich habe überhaupt kein Problem damit, so etwas wie seine Vertretung zu sein. Mir war vor allem wichtig, dass jemand diesen Job übernimmt, der sein virologisches Wissen nicht nur aus dem Lehrbuch hat, sondern so wie ich ein Institut leitet, virologische Diagnostik macht und damit weiß, wovon er spricht.

SPIEGEL: Ihre ersten Podcast-Folgen klangen ein wenig nach Volkshochschule. Wollen Sie es in Zukunft spannender machen?

Ciesek: Spannender? Hm, ich weiß nicht. Es geht bei dem Podcast um die Vermittlung von Wissen, nicht um einen Krimi. Mein Ziel ist also eher, komplexe Dinge einfach darzustellen. Ich versuche, den Menschen das Verständnis durch einen möglichst praktischen medizinischen Bezug zu vereinfachen. Ich wundere mich immer wieder, wie oft man die gleichen Sachen wiederholen muss, damit sie verstanden werden. Der NDR bekommt wahnsinnig viele Fragen zugeschickt von den Hörern – wenn ich die beantworte, bringt das hoffentlich die Leute weiter, es gibt ihnen Sicherheit. Jedenfalls sind die Reaktionen zu 99 Prozent positiv. Mich freut es besonders, wenn Hörer mir schreiben:…