Max Kruse ist kein Kind von Traurigkeit. Das hat ihn schon die Nationalmannschafts- und fast auch die Bundesligakarriere gekostet. In Diensten des FC St. Pauli sorgte er mit seinem – sagen wir mal sehr freizügigen – Video für den ersten großen Skandal. Bei einer Länderspielreise empfing er unter anderem trotz Verbots Damenbesuch auf seinem Hotelzimmer. Beim VfL Wolfsburg vergaß er einmal schlappe 75.000 Euro in bar in einem Berliner Taxi. 

Nun steht der Stürmer mit dem starken linken Fuß bei Union Berlin unter Vertrag – auch, weil sich der Verein diesen Transfer erst unter den (günstigen) Corona-Bedingungen leisten konnte. Aber mit der Skandalnudel kommen auch die Schlagzeilen. Kruses Leidenschaft außer Fußball: Zocken. Er pokert gern und lang, stellt Videos von seinen Sessions ins Netz. Am Mittwoch zockte er bis in die frühen Morgenstunden, zu sehen auf der Plattform „Twitch“, obwohl am nächsten Morgen Mannschaftstraining anstand. Entscheidend sei in erster Linie die sportliche Leistung des Spielers, kommentierte Union das. Für die Social-Media-Aktivitäten seien die Spieler selbst verantwortlich. 

DFL-Konzept: Spieler sollen zu Hause bleiben

Kruses Verhalten ist „unprofessionell und unverantwortlich“, meint DW-Redakterin Olivia Gerstenberger

Kann man so sehen. Schließlich war Kruse zu diesem Zeitpunkt in seinem (mit vielen Umzugskartons vollgestellten) Wohnzimmer und zockte ein Computerspiel. Und es war schon immer so: trotz aller Skandale brachte Kruse stets seine Leistung. Für Union ist er ein sportlicher Gewinn. Nun aber geht es um mehr als das:

Am Donnerstag spielte Kruse wieder Karten – in einer Berliner Kneipe mit völlig unbekannten Menschen – ohne Einhaltung der Hygienevorschriften. Er klatschte sich mit ihnen ab und trug keinen Mund- und Nasenschutz, obwohl das die DFL-Vorgaben zur „häuslichen privaten Hygiene im Alltag bei hohem Pandemie-Level“ ausdrücklich vorsehen. Verboten sind demnach auch „Kontakte zur Nachbarschaft oder…