SPIEGEL: Sämtliche Zellen des Körpers entstehen aus der befruchteten Eizelle – warum ist ein Mensch dennoch offenbar gar nicht genetisch uniform, sondern zusammengesetzt aus Zellen, deren Erbmaterial unterschiedlich ist?

Moog: Bei jeder Zellteilung nach der Befruchtung kann eine zufällige Mutation auftreten, durch die sich die Tochterzellen der Zelle mit Mutation von den bisherigen Zellen genetisch unterscheiden. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit einer Mutation jeweils sehr gering – aber bei Billionen Zellen und Teilungen treten dann doch einige Veränderungen auf. Der Mensch ist ein Mosaik aus genetisch verschiedenen Zellen.

SPIEGEL: Trifft das auf jeden zu?

Moog: Ja, auf jeden, wir sind alle Mosaike. Man sieht es beispielsweise an der Haut. Die Male darauf sind durch Mutationen entstanden und genetisch anders als die umliegenden Hautzellen.

SPIEGEL: Ist das denn gefährlich?

Moog: Wenn Zellen erst sehr spät in der Entwicklung eines Menschen mutieren, entstehen oft nur harmlose Dinge wie etwa die Hautmale. Mutiert aber eine Zelle schon früh in der Embryonalentwicklung, gibt sie ihr verändertes Erbgut an viele Zellen weiter, die sich in unterschiedliche Gewebe differenzieren. So entsteht ein Mosaik aus gesunden und veränderten Zellen im Körper, was möglicherweise zu schweren Erkrankungen führen kann.