Rund 5,4 Millionen Bürger sind aufgerufen, heute ihre Stimme abzugeben. Bisher gab es am Wahlsonntag keine größeren Zwischenfälle. Doch es brodelt in Guinea. Die Menschen erlebten einen von verbaler und physischer Gewalt geprägten Wahlkampf, der dem Austausch über die Programme der Kandidaten kaum Platz ließ. Jugendliche blockierten in der Hauptstadt Conakry die Konvois der Oppositionskandidaten, rissen Wahlplakate nieder, es kam zu brutalen Ausschreitungen. 

Die Wahl im Live-Ticker bei DW Französisch.

Laut Amnesty International sind zwischen Oktober 2019 und Juli 2020 mindestens 50 Menschen bei Protesten überwiegend durch Sicherheitskräfte getötet worden, mehr als 200 wurden verletzt, zahlreiche weitere willkürlich inhaftiert. Die Oppositionsbewegung FNDC spricht von mindestens 92 Toten seit Juni 2019.

Auslöser für die Ausschreitungen ist die Kandidatur des Präsidenten Alpha Condé, dessen zweite Amtszeit sich dem Ende neigt. Guineas Verfassung sah ursprünglich nur zwei fünfjährige Amtszeiten für den Präsidenten vor, doch aufgrund eines im März angenommenen Verfassungsreferendums beharrt der 82-jährige Condé darauf, dass der Zähler für ihn auf Null zurückgesetzt worden sei. Demnach sei Condé nun berechtigt, weitere zwölf Jahre im Amt zu bleiben.

Kein Zeichen der Demokratie

Die Frage nach der Anzahl der Amtszeiten des Präsidenten ist für viele Guineer brisant. Vor Beginn des demokratischen Übergangs im Jahr 2010 hatte das Land 50 Jahre autoritärer Herrschaft hinter sich. Die aktuellen Entwicklungen seien „nicht gerade ein Zeichen für die Demokratie“, sagt Ilaria Allegrozzi von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Auch in der Elfenbeinküste hat die Kandidatur des aktuellen Präsidenten für eine dritte Amtszeit zu Unruhen geführt.

Amtsinhaber Alpha Condé kandidiert für eine dritte, umstrittene Amtszeit

Die Opposition haderte lange: Die „Nationale Front zur Verteidigung der Verfassung“ (FNDC), unter der sich…