Der Winter kommt. Doch egal wie gut ein Haus gedämmt ist: Es könnte in vielen Stuben kalt werden. Denn das Umweltbundesamt empfiehlt das Lüften gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus in Innenräumen. In Schulen könnten die Schüler bald mit Mütze und Handschuhen unterrichtet werden und auch in Bars und Restaurants dürfte es bei Rotwein und Pasta frisch werden.

Einziger Ausweg aus diesem Winter-Corona-Dilemma sind Luftfilteranlagen. Mit ihnen können Coronaviren aus der Luft gefangen werden – ganz ohne das lästige Lüften. Vor Corona ziemlich sicher sein und trotzdem im Warmen – in diesen Zeiten ein echter Traum. Was liegt da näher als die schnelle Umrüstung aller öffentlicher Einrichtungen, Läden und Restaurants mit den Wunder-Maschinen?

Doch das Naheliegende ist komplizierter als gedacht: Zwar hat das Bundeswirtschaftsministerium ein Förderprogramm für Raumluftanlagen aufgelegt. Das soll nächste Woche in Kraft treten, 40 Prozent der Kosten beisteuern und „den Infektionsschutz erhöhen“, wie das BMWi auf SPIEGEL-Anfrage schreibt. Doch die löbliche Initiative von Minister Peter Altmaier geht komplett an der Realität vorbei.

Zu umständlich, zu langwierig

Der Ansicht sind jedenfalls Wissenschaftler wie Christian Kähler, die seit Jahren mit Aerosolpartikeln und deren Ausbreitung und Vermischung im Raum beschäftigen: „Damit wird kein einziges Leben gerettet“, sagt der Physiker vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik der Universität der Bundeswehr München im Gespräch mit dem SPIEGEL.

Seine Kritik: Das Ministerium fördert nur stationäre Lüftungsanlagen, die umständlich in Wände und Decken eingezogen werden müssen. „Um Genehmigungen für solche Anlagen in öffentlichen Gebäuden zu bekommen, vergehen mindestens zwei Jahre“, so Kähler. Deshalb sei das Programm auch bis 2024 befristet. „In diesem und auch im nächsten Winter nützt dieses Förderprogramm niemanden etwas.“

Auch Nachrüstungen von bereits verbauten Luftanlagen seien…