Im Winter 2017/18 begaben sich die Münchner Staatsanwälte unter die Zocker. Sie hatten in den Jahren zuvor mehrfach Hinweise bekommen, dass der Wirecard-Konzern Zahlungen aus illegalem Glücksspiel abwickle. Auf den Grund gekommen waren sie der Sache nicht.

Die Ermittler wählten also eine zweistellige Zahl von Onlinekasinos in Ländern aus, in denen Wirecard aktiv war. Die Strafverfolger spielten, um herauszufinden, über welche Banken ihre Zahlungen abgewickelt würden. Wäre die Wirecard Bank darunter gewesen, hätten sie ihr wegen Geldwäsche zu Leibe rücken können.

Ob die Staatsanwälte beim Onlinepoker Geld für die Staatskasse einsackten, ist nicht bekannt – ihr Ermittlungsziel jedenfalls erreichten sie nicht, die Wirecard Bank tauchte in der Stichprobe nicht als Abwickler auf. Der Verdacht, der Wirecard-Konzern und seine Bank könnten systematisch Geldwäsche betreiben, hatte sich erst einmal zerstreut.

Jetzt ist Wirecard pleite, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, Untreue, unrichtiger Darstellung und Marktmanipulation gegen die ehemalige Führung um Ex-Konzernchef Markus Braun. Bis auf einen Kronzeugen weisen die Manager die Vorwürfe zurück. Der als Drahtzieher geltende Ex-Vorstand Jan Marsalek ist auf der Flucht, sein Anwalt äußert sich nicht.