Die US-Waffenindustrie profitiert wenige Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl von einem möglichen Wahlsieg Joe Bidens – obwohl der als künftiger Präsident wohl deutlich schärfere Waffengesetze einführen würde. An den US-Börsen verzeichnen die Kurse der großen Waffenschmieden vor der Wahl am 3. November jedenfalls satte Gewinne.

Viele Börsianer gehen offenbar davon aus, dass bei einem Machtwechsel im Weißen Haus auch mehr Gewehre, Revolver und Pistolen verkauft werden. Der Aktienkurs des Waffenherstellers Smith & Wesson legte seit Jahresbeginn beispielsweise um 135,4 Prozent zu. Erst vergangenen Monat sagte Mark Smith, Chef des Unternehmens, seine Branche komme der Nachfrage kaum hinterher.

Beim Wettbewerber Sturm Ruger lag das Plus immerhin noch bei 51,1 Prozent. Der Aktienindex S&P 500, in dem die 500 größten US-Unternehmen gelistet sind, stieg im gleichen Zeitraum dagegen nur um 7,8 Prozent.

Weitere Faktoren treiben die Nachfrage

Die bevorstehende Wahl und ein möglicherweise chaotischer Machtwechsel bei einer Niederlage Donald Trumps sind aber nicht die einzigen Faktoren, die den Herstellern Auftrieb verleihen. Viele Amerikaner haben sich in den vergangenen Monaten offenbar mit Waffen eingedeckt: etwa aus Furcht vor der Coronavirus-Pandemie oder den Unruhen nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd.

Nach Angaben der „Financial Times“ entdeckten viele Amerikaner während der Pandemie auch das Jagen wieder für sich. Beim Munitionshersteller Ammo aus Arizona stiegen die Umsätze der Zeitung zufolge um 125 Prozent – seit Juni. Seit den Unruhen im Frühjahr ist demnach auch die Zahl der sogenannten „Background Checks“, denen sich Waffenkäufer unterziehen müssen, auf dem höchsten Niveau seit Jahren. Den Daten des zuständigen US-Kontrollsystems zufolge wurden seit März beinahe durchgängig mehr als drei Millionen Abfragen vorgenommen – pro Monat.

Dass der Waffenabsatz vor US-Präsidentschaftswahlen steigt, ist indes nicht ungewöhnlich. Nach der…