Die zweite Corona-Welle hat Europa erreicht. In vielen Ländern steigen die Zahlen und die Regierungen sehen sich gezwungen, erneut strenge Maßnahmen im Kampf gegen das Virus zu erlassen. Auch in Tschechien greift die Politik wieder hart durch, dabei hatte das Land zu Beginn der Pandemie vorbildlich reagiert. Viele glaubten bereits, die Lage überwunden zu haben. Nun steigen die Zahlen jedoch dramatisch hoch. Was ist passiert?

Das Coronavirus hatte am 1. März offiziell Tschechien erreicht. Drei Urlaubsrückkehrer aus Norditalien hatten sich damals infiziert, es waren die ersten bekannten Fälle im Land. Die Regierung in Prag reagierte schneller als andere europäische Länder und erließ innerhalb weniger Tage strenge Maßnahmen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.

Bereits zehn Tage nach Bekanntwerden der ersten Fälle wurde die Schließung der Schulen verfügt und der Freizeitsektor weitgehend geschlossen. Während die Corona-Politik in Deutschland zur selben Zeit noch zögerlich vorangetrieben wurde, hatte Tschechien am 12. März den Notstand ausgerufen. Mitte des Monats waren die Grenzen zu den Nachbarländern dicht. Am 19. März führte das Land die Maskenpflicht ein – damals hatte selbst die Weltgesundheitsorganisation WHO den Nutzen eines Mund-und-Nasenschutzes im Kampf gegen Corona noch angezweifelt.

Für die strengen Maßnahmen wurde die tschechische Regierung zunächst belächelt und auch kritisiert, dann zogen andere Länder nach und in Tschechien zeigten sich erste Erfolge. Die Infektionszahlen blieben niedrig, Prag lobte sich selbst für das Corona-Management und machte erste Pläne für die schrittweise Rückkehr in die Normalität.

Dramatischer Anstieg der Infektionszahlen

Bis Mitte Mai gab es in Tschechien 350 Corona-Tote, im Sommer sanken die Neuansteckungen auf durchschnittlich 100 Fälle am Tag und ein Großteil der Beschränkungen wurde aufgehoben. Es wurde vielerorts wieder gefeiert, getrunken und verreist wie früher – ohne Maske und ohne Abstands-…