Nur dreimal muss Marie Hoffmann tippen, dann ist die Apple-Aktie in ihrem Depot. Seit knapp vier Monaten investiert die 29-Jährige in Aktien. Eigentlich heißt sie anders. Ihr Name soll hier nicht erscheinen, weil sie in Börsengruppen auf Facebook immer wieder von Männern belästigt wird.

Angefangen hat Hoffmann mit den Aktien, um Geld für ihre 19 Monate alten Zwillinge zurückzulegen. Eigentlich hatten sie und ihr Partner das schon vor der Geburt vor. Aber da fand das Paar noch keine günstige Möglichkeit, um ins Börsengeschäft einzusteigen, Depots bei der Filialbank waren ihr zu teuer und zu kompliziert. Doch als sie Werbung des App-Anbieters Trade Republic sah, zögerte sie nicht lange: Keine Depotkosten, keine Mindesteinlage, ein Euro pro Handel und alles läuft ausschließlich über eine App.

Mit diesen Produktversprechen hat es das Start-up geschafft, nicht nur Hoffmann für die Börse zu begeistern: Im April hatte Trade Republic bereits 150.000 Nutzer, aktuellere Zahlen will das Unternehmen nicht herausgeben. Allein im März seien aber 44.000 dazugekommen. Den Markt teilt sich Trade Republic mittlerweile mit den deutschen Anbietern Justtrade und Gratisbroker, aus Großbritannien kommt Konkurrenz von Etoro. Vorbild ist das US-Unternehmen Robinhood mit mehr als 10 Millionen Kunden.

Firmenchef Christian Hecker spricht von exponentiellem Wachstum. Schon Anfang des Jahres seien die Nutzungszahlen bei Trade Republic zügig gewachsen. Die Coronakrise hat das Geschäft der meisten Broker angeschoben: Niedrige Kurse und Lockdown-Langeweile machten den Einstieg attraktiv.

Marie Hoffmann ging es ähnlich. Sie ist in Elternzeit und hat deshalb viel Zeit, sich einzulesen. Denn wer sich nicht auskennt, traut sich nicht. Mangelndes Wissen ist ein Grund, warum so wenige Deutsche ihr Geld in Aktien anlegen. Das hat eine Studie im Auftrag der Deutschen Börse ergeben: Zu geringes Finanzwissen war demnach ausschlaggebend für 65 Prozent der Befragten, die selbst keine Aktien…