In der über 130-jährigen Firmengeschichte der beiden Ruhrkonzerne Thyssen und Krupp gab es viele Wendepunkte. Der missglückte feindliche Übernahmeversuch von Thyssen durch Krupp im Jahr 1997 gehört genauso dazu wie die dadurch angestoßene Fusion beider Industriekonzerne zwei Jahre später oder das Scheitern der geplanten Stahlehe mit dem indischen Tata-Konzern im Jahr 2019.

Freitag, der 16. Oktober 2020, könnte wieder so ein Wendepunkt werden. Dann könnte eine Vorentscheidung fallen, ob der Essener Traditionskonzern tatsächlich seine Wurzeln kappt – und mit der Stahlsparte sein eigentliches Kerngeschäft verkauft.

Still und unauffällig hat Martina Merz, die neue Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, in den vergangenen Monaten Verhandlungen mit mehreren großen Stahlunternehmen vorangetrieben. Mindestens ein Interessent wird am Freitag, organisiert von der Investmentbank Rothschild, ein Angebot zur Übernahme des kompletten Geschäftszweigs abgeben. Noch ist dieses Gebot nicht bindend, weil keine Prüfung der Bücher und Zahlen damit einherging. Aber wenn Richtung und Preis stimmen, dürfte der Druck auf Merz noch größer werden, auch diesen Schritt zu gehen und die Not leidende Sparte teilweise oder vielleicht sogar komplett zu verhökern.