1. Erst austreten, dann nachtreten

Der Brexit, diese unendliche Geschichte, die 2016 mit dem Austrittsbeschluss begann, steuert auf ein unschönes Ende zu: Großbritanniens Premierminister Boris Johnson schwört sein Land auf einen harten Ausstieg ein: Sollte die EU ihren Ansatz in den Verhandlungen nicht grundlegend ändern, werde es einen Brexit ohne Handelsabkommen geben, sagte er heute.

Icon: vergrößern

Gernegroß aus Britannien

Foto: TOBY MELVILLE / REUTERS

Johnson polterte, die EU habe gut zehn Wochen vor dem Ende der Brexit-Übergangsphase offenkundig kein Interesse an einem Freihandelsabkommen wie mit Kanada. Er erwarte nun eine Beziehung wie mit Australien – also ohne Vertrag.

Es war ein Auftritt mit großer Geste nach tagelangem Hin und Her. Die EU und das Vereinigte Königreich hängen in der Schlussphase sehr komplizierter und sehr langwieriger Verhandlungen fest: Wenn Ihr nicht nachgebt, dann gehen wir eben, lautete Johnsons Botschaft. Allerdings hat er auch zuvor schon ein Ultimatum für eine Einigung gestellt. Es verstrich gestern ohne größere Konsequenzen.

2. Herbstgrauen

Beim Einkaufen heute in der Mittagspause nutzt eine Frau den Sicherheitsabstand hinter mir, um sich vorzudrängeln – eine Kinnträgerin, deren Maske im unteren Gesichtsfünftel hängt. Ich bitte Sie, Abstand zu halten. Eine andere Frau bittet sie, die Maske richtig aufzusetzen. Die Kinnträgerin sagt, sie sei Ärztin und informiere sich bei YouTube über die Pandemie. Immer aufgeregter wird sie: Wir steuerten auf eine Diktatur zu, wir müssten die Zahlen hinterfragen, Widerstand!

Der neue SPIEGEL ist da, hier digital, ab Samstag am Kiosk

Auf solche Leute traf ich immer mal wieder in diesem Corona-Jahr. Was sich gerade ändert, so erlebe ich es, ist der Umgang mit den Kinnträgern und Masken-Muffeln: Bis vor wenigen Wochen hätten die meisten mit den Augen gerollt in einer ähnlichen Situation. Die Zahlen sind gut, ein paar Ignoranten hält man schon aus, das war…