Überrascht, geehrt und auch ein bisschen stolz, gibt sich Otobong Nkanga, nachdem sie erfahren hat, dass sie das in der November-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins „Capital“ veröffentlichte Kunstkompass-Ranking der 100 „Stars von morgen“ anführt.

Sie steht auf Platz 1 der Künstler, die noch nicht zu den etablierten Künstlern gezählt werden, aber 2019 im Kunstbetrieb am stärksten an Bedeutung gewonnen haben. Die Etablierten, meist altbekannte, hochbezahlte Künstlerkollegen, finden sich in der Liste der „Top 100“ der bedeutendsten lebenden Künstlerinnen und Künstler. Auf Platz 1: der Maler Gerhard Richter.

„Ich habe keine Ahnung, was dies bewirken wird“, sagt die in Nigeria geborene Künstlerin im DW-Interview. „Alles, was ich weiß, sind Realitäten des Alltags: dass du arbeitest, dass du mit anderen arbeitest. Du machst verschiedene Dinge und Dinge kommen auf dich zu, während du arbeitest.“ Gerade in den Zeiten einer globalen Pandemie oder angesichts der Brutalität der Polizei, die in ihrem Heimatland Nigeria jüngst für Proteste gesorgt hat, könne man ohnehin nicht sagen, was die Zukunft für einen bereithalte. 

Otobong Nkanga will zu kritischem Denken anregen

„Taste of a Stone“: In einem Raum von Otobong Nkangas Schau im Gropius Bau erwartet die Besucher eine Steinlandschaft

Die Zukunft eines Einzelnen hänge von so vielem ab, erklärt sie. „Die Zukunft für mich als Künstlerin steht nicht nur in Zusammenhang mit diesem Kunstkompass oder mit Rankings oder sowas. Vielmehr ist sie von den Möglichkeiten unserer Existenz auf diesem Planeten abhängig“, sagt Otobong Nkanga. Damit beschreibt die 46-Jährige zugleich einen auch für ihre Arbeit wesentlichen Aspekt.

In ihrer facettenreichen Kunst adressiert sie immer wieder die Frage nach dem Zusammenspiel von Mensch und Land. Sie versucht zu ergründen, wie der Körper natürliche Ressourcen in Bewegung setzt und wie dieses Agieren Spuren auf der Erde hinterlässt. Doch es geht ihr nicht nur…