Angela Merkel wirkte ein wenig außer Atem, als sie am Freitag nach einem zweitätigen EU-Gipfel die abschließende Video-Pressekonferenz eröffnete. „Wir hatten heute und gestern ein sehr dichtes Programm“, sagte die Kanzlerin. Der nächste Sieben-Jahres-Haushalt der EU, das Corona-Wiederaufbauprogramm, der gemeinsame Kampf gegen das Coronavirus und der Brexit standen auf der Tagesordnung – alles komplizierte Themen. Und bei allen steht die EU unter Zeitdruck.

Da kann ein Langfristproblem wie der Klimawandel schon mal unter die Räder kommen, auch wenn daraus längst eine bereits spürbare Krise geworden ist.

Die Staats- und Regierungschefs der EU, so steht es in der Abschlusserklärung des Gipfels, wollen nun erst im Dezember weiter darüber diskutieren, wie stark die Treibhausgasemissionen der EU bis zum Jahr 2030 sinken sollen.

Das Datum gilt als entscheidende Wegmarke: Wenn die EU ihr Ziel erreichen will, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu sein, muss sie den Ausstoß in den nächsten zehn Jahren schneller senken als bisher geplant. Das aktuelle Reduktionsziel von 40 Prozent wird jedenfalls nicht reichen, wie unter anderem die EU-Kommission berechnet hat. Deren Präsidentin Ursula von der Leyen hat deshalb jüngst eine Steigerung auf mindestens 55 Prozent vorgeschlagen.

„Schwache Antwort“ auf Chinas Initiative

Sie sei „sehr dafür“, sagte auch Merkel nach dem Gipfel. Doch einer Erklärung von elf der 27 Staats- und Regierungschefs, die vor dem Gipfel die Festlegung auf das 55-Prozent-Ziel verlangt hatten, wollte sich Merkel nicht anschließen – anders als etwa Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Die Frage nach dem Warum ließ die Kanzlerin unbeantwortet. Der Vorschlag von der Leyens liege ohnehin erst seit September vor. Die Kommission müsse jetzt erst einmal mit allen Mitgliedsländern beraten, welche Folgen die Umsetzung des 55-Prozent-Ziels hätte, sagte Merkel. Im Dezember könne man dann sehen, wie es weitergeht. „Es war immer klar, wie unser Zeitplan aussieht.“

Doch…