Mehr als fünf Jahre nach Kriegsbeginn hat im Jemen ein groß angelegter Gefangenenaustausch begonnen. Die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung im Jemen und die verfeindeten Huthi-Rebellen wollen insgesamt mehr als tausend Gefangene freilassen. Beobachter werten den Schritt als wichtiges Zeichen für Fortschritte bei den Bemühungen, den Konflikt in dem Bürgerkriegsland zu beenden.

Seit 2014 wird der Jemen von schweren Unruhen erschüttert, als von Iran unterstützte schiitische Huthi-Rebellen aus dem Norden des Landes in die Hauptstadt Sanaa vordrangen. Im März 2015 begann ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis an der Seite der Regierung gegen die aufständischen Huthis zu kämpfen. In dem Konflikt wurden seither Zehntausende Menschen getötet, viele von ihnen Zivilisten.

Der nun gestartete Gefangenenaustausch geht zurück auf eine Einigung vom Dezember 2018. Dabei hatten die schiitischen Rebellen und die Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi dem Austausch von insgesamt mehr als 15.000 Gefangenen zugestimmt. Zwar wurden dann schrittweise Dutzende Gefangene ausgetauscht. Komplett umgesetzt wurde die Vereinbarung aber nicht. Vor drei Wochen dann hatten die Konfliktparteien die Freilassung von etwa 1080 Menschen zugesagt.

„Die größte Befreiungsaktion seit dem Koreakrieg“

Dieser Austausch kommt nun in Gang: Wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Freitag mitteilte, wurden 352 Gefangene freigelassen und mit Flugzeugen in die Hauptstadt Sanaa sowie in die Stadt Aden gebracht. Bereits am Donnerstag hatte das IKRK nach eigenen Angaben Flüge für mehr als 700 freigelassene Gefangene organisiert. Das IKRK sprach vom größten Einsatz dieser Art seit Beginn des Konflikts vor fünfeinhalb Jahren.

„Dies ist die größte Befreiungsaktion zu Kriegszeiten seit dem Koreakrieg, an der das IKRK beteiligt ist“, schrieb IKRK-Präsident Peter Maurer bei Twitter. Der Koreakrieg endete im Jahr 1953. „Wir sind geehrt, eine neutrale Rolle zu spielen,…