Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht „etwas Bewegung“ im Streit über ein EU-Handelsabkommen mit Großbritannien. Die EU habe London gebeten, im Sinne einer Einigung weiter kompromissbereit zu sein, sagte Merkel nach einem Treffen der EU-Regierungschefs in Brüssel.

„Das schließt natürlich ein, dass auch wir Kompromisse machen müssen. Jede Seite hat ihre roten Linien.“ Zuvor hatte der Gipfel an Großbritannien appelliert, sich in den Verhandlungen zu bewegen.

Von einer Einigung im Brexit-Streit sind beide Seiten aber offenbar noch weit entfernt. „An einigen Stellen haben sich die Dinge gut bewegt. An anderen Stellen ist noch viel Arbeit zu leisten“, sagte die Kanzlerin. Insgesamt sei ein Abkommen für beide Seiten sinnvoll.

Auf Forderungen der EU, sich in den Verhandlungen zu bewegen, hatte die britische Seite zuvor pikiert reagiert. Er sei „enttäuscht“ über die Linie der EU-Staaten und „überrascht“, dass die EU sich „nicht mehr dazu bekennt, intensiv an einer zukünftigen Partnerschaft zu arbeiten“, schrieb der britische Verhandlungsführer David Frost auf Twitter.

EU-Chefunterhändler Barnier sieht noch Chancen auf Einigung

„Notfalls müssen wir auch ohne das leben, aber ich glaube, besser wäre es, wir hätten ein solches Abkommen“, erklärte Merkel. Der EU-Unterhändler Michel Barnier sagte indes, er sehe noch Chancen auf eine Einigung. Er hatte zuvor angeboten, die Verhandlungen über einen Handelspakt noch einmal deutlich zu intensivieren.

Der EU-Gipfel erklärte sich bereit, weiter einige Wochen über ein Handelsabkommen verhandeln zu wollen. Die Staats- und Regierungschefs beschlossen aber auch, sich verstärkt auf ein No-Deal-Szenario vorzubereiten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte betont, dass sein Land auch dazu bereit sei.

Der britische Premierminister Boris Johnson will am Freitag entscheiden, ob Großbritannien weiterverhandelt. Er hatte der EU ursprünglich eine Frist bis zum 15. Oktober für eine Einigung gesetzt.

Großbritannien hat die EU…