SPIEGEL: Herr Gouverneur, in ganz Europa steigen die Covid-19-Zahlen steil an. Stellen Sie sich bereits auf einen zweiten Lockdown ein?

Villeroy: Die Maßnahmen, die der französische Präsident Emmanuel Macron diese Woche angekündigt hat, sollen genau das verhindern. Während des ersten Ausbruchs der Pandemie im März ist die französische Wirtschaft um ein Drittel geschrumpft. Das war zwar ein fürchterlicher Absturz. Aber danach gab es eine Erholung, die schneller verlief als erwartet. Heute sind 90 Prozent der Wirtschaft in guter Verfassung, während Sektoren wie der Tourismus oder die Automobil- und Luftfahrtindustrie weiter leiden. Die Regierungen sollten ihre Hilfen deshalb auf diese Sektoren konzentrieren.

SPIEGEL: Wenn sich die Lage verschärfen sollte, wird die EZB die Märkte also wieder mit Geld fluten, wie bereits im März?

Villeroy: Damals haben wir versucht, dem beispiellosen Konjunkturabsturz und der drohenden Finanzkrise mit einem wuchtigen Programm entgegenzuwirken, und es hat funktioniert. Seitdem hat sich die Lage verbessert, weshalb wir bei der jüngsten Sitzung des EZB-Rates beschlossen haben, eine Linie der ruhigen Hand zu verfolgen. Aber das bedeutet nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen. Wenn die einlaufenden Daten stärkere Maßnahmen erfordern, haben wir die Mittel und den Willen zu handeln.