[00:00:04] Yasemin Yüksel Willkommen zu Stimmenfang, dem Politik-Podcast vom SPIEGEL. Ich bin Yasemin Yüksel. Die Corona-Pandemie hat ja aktuell ein Ventil geöffnet für die Wut von einigen auf die Politik der Bundesregierung.

[00:00:29] Anti-Corona-Demo Was die da oben machen ist Katastrophe! Weg mit dieser BRD!

[00:00:29] Yasemin Yüksel Vor genau zehn Jahren, im Oktober 2010, hat mein Kollege Dirk Kurbjuweit im SPIEGEL zum ersten Mal vom „Wutbürger“ geschrieben und den Begriff mit seinem Text überhaupt in die Welt gesetzt.

[00:00:41] Essay „Der Wutbürger“, SPIEGEL Oktober 2010 „Eine neue Gestalt macht sich wichtig in der deutschen Gesellschaft: Das ist der Wutbürger. Er bricht mit der bürgerlichen Tradition, dass zur politischen Mitte auch eine innere Mitte gehört, also Gelassenheit, Contenance. Der Wutbürger buht, schreit, hasst. Er ist konservativ, wohlhabend und nicht mehr jung. Früher war er staatstragend, jetzt ist er zutiefst empört über die Politiker.“

[00:01:07] Yasemin Yüksel Damals ging es bei den wütenden Protesten um Stuttgart 21. Heute geht es um Corona, um Geflüchtete, die Euro-Rettungspolitik oder die vermeintlich notwendige Rettung des Abendlandes. Die Anlässe ändern sich also – aber die Wut bleibt. Und darum fragen wir In dieser Folge: Hat Deutschland, hat die deutsche Politik inzwischen eigentlich einen Weg gefunden, mit dieser Wut umzugehen? Darüber darf ich heute sprechen, passenderweise, mit Dirk Kurbjuweit, also dem Kollegen, der den Begriff „Wutbürger“ erstmals benutzt hat. Hallo Dirk, ich freue mich, dass du da bist.

[00:01:39] Dirk Kurbjuweit Hallo, freue mich auch.

[00:01:41] Yasemin Yüksel Dirk, lass‘ uns mal zu dem Ursprung der Geschichte zurückgehen, also zu dem Moment, in dem du erstmals dieses Wort „Wutbürger“ in einem deiner Texte im Oktober 2010 benutzt hast. Was war Deutschland damals für ein Land? Was hat die Menschen, einige Menschen, damals so wütend gemacht?

[00:01:59] Dirk Kurbjuweit Erst mal war es ja ein ganz stilles…