1. Rückzug ist die beste Verteidigung

„Es ist 2020 nicht einfach, 20 Jahre alt zu sein“, sagt Emmanuel Macron, der für Frankreich eine nächtliche Ausgangssperre verkündete. Es ist aber auch nicht einfach, 10, 40, 60 oder 80 zu sein: Nach allem, was ich höre, infiziert der Corona-Frust alle Altersgruppen. Auch ich finde es schwer, guten Mutes zu bleiben, wenn selbst die, die in der vergangenen Nacht neue Regeln verkünden, wenig später verlauten lassen: Reicht alles nicht. Und wenn der Söderalismus dafür sorgt, dass in Bayern die Regeln gleich weiter verschärft werden. Ging es nicht darum, mehr Einheitlichkeit und Klarheit zu schaffen?

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Foto: Roberto Pfeil / dpa

Auch mit dem Beherbergungsverbot scheint niemand glücklich zu sein. Trotzdem haben Bund und Länder sich nicht einigen können – vertagt auf die Zeit nach den Herbstferien. So lange versucht jeder, der Reisen will, einen Negativ-Test zu bekommen. „Gerade in Hotspot-Städten wie Berlin und Köln werden unnötig wertvolle Testkapazitäten dafür benötigt“, warnt SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach. Meinem Kollegen Timo Lehmann sagte er: „Mit Blick auf die langsam knapp werdenden Reagenzien braucht es zeitnah eine bundeseinheitliche Lösung.“ (Mehr hier.)

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Foto: Gregor Fischer / dpa

Wie sehen Forscherinnen und Forscher die Maßnahmen? Nach dem Gespräch mit einer Modellierungsexpertin sagt meine Kollegin Julia Köppe: „Sperrstunde, Maske, Kontaktbeschränkung – die neuen Maßnahmen sind Makulatur, wenn nicht alle mitmachen.“ Noch haben wir laut Hochrechnungen die Chance, die Ausbreitung in den Griff zu bekommen. „Aber wir müssen uns sputen.“ Die kommenden ein bis zwei Wochen seien entscheidend, sagt Julia: „Über den Daumen gepeilt, müsste jeder seine Kontakte um die Hälfte reduzieren.“ (Die ganze Analyse lesen Sie hier.)

6638 neuen Fälle meldete das Robert Koch-Institut heute, das ist der höchste Wert seit Beginn der Pandemie. „Das Virus…