Mehr als sechs Stunden sitzt Angela Merkel an diesem Mittwoch schon mit den Regierungschefs der Länder zusammen, da fällt die Kanzlerin ein vernichtendes Urteil. „Ich bin nicht zufrieden“, sagt sie nach Teilnehmerangaben. Die Ergebnisse seien „nicht hart genug, dass wir Unheil abwenden“.

Es ist eine dramatische Ansage in der wohl zähsten und am härtesten umkämpften Ministerpräsidentenkonferenzen seit Beginn der Coronapandemie. Punkt für Punkt hat Merkel zu diesem Zeitpunkt mit den anderen Spitzenpolitikern da schon durchgearbeitet. Die Maskenpflicht, die Kontaktbeschränkungen, die Sperrstunde – all die Dinge, die verhindern sollen, dass das Infektionsgeschehen in Deutschland außer Kontrolle geraten.

Doch das, was schließlich auf dem siebenseitigen Papier steht, reicht Merkel offenbar nicht. Sie will noch einmal über alles reden. Weitere Zeit vergeht. Am Ende ist es etwa 22 Uhr, als die Runde endlich mit einer Einigung auseinandergeht – nach mehr als acht Stunden Streit und Diskussionen.

Kurz darauf sitzt die Kanzlerin mit angeschlagener Stimme vor den wartenden Journalisten im Kanzleramt. Was sie beunruhige, sagt Merkel, sei der exponentielle Anstieg bei den Coronazahlen. Den müsse man stoppen. „Sonst wird es in kein gutes Ende führen.“

Infektionszahlen steigen

Merkel gehört seit jeher zu den Warnern in dieser Krise. In den Sommermonaten war sie jedoch regelrecht abgetaucht. Nun geht sie wieder in die Offensive. Aus gutem Grund.

Vielerorts in der Republik steigen die Infektionszahlen wieder rasant an. Am Mittwoch meldet das Robert-Koch-Institut 5132 Neuansteckungen binnen 24 Stunden. Noch vor wenigen Tagen waren es weniger als halb so viele. Es gibt wieder mehr Coronatote. Die Wirtschaft ächzt.

Im Winter, wenn sich das öffentliche Leben weiter nach drinnen verlagert, könnte alles noch viel schlimmer werden, fürchten Experten. Auch Merkel sieht das so.

Die Ansagen ihrer Verbündeten in der Pandemiebekämpfung waren deshalb klar. Die Debatte in der…