Die Zocker geben Donald Trump verloren. An den Wettbörsen wird der Ausgang der Präsidentschaftswahl inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 70 zu 30 taxiert – zugunsten von Joe Biden.

Nicht nur Amateure der Wettportale setzen auf den Demokraten. Auch dort, wo das große Geld rollt, wird ein Sieg Bidens zunehmend eingepreist: an der Wall Street. Die Analysten der Investmentbanken zirkulieren Berichte und Modellrechnungen, die ihre Kunden auf die Folgen eines Machtwechsels im Weißen Haus für die Wirtschaft und die Märkte vorbereiten. Der Tenor: Fürchtet Euch nicht!

Traditionell ist die Aussicht auf eine linke Regierungsmehrheit geeignet, an der Finanzmeile Angst und Schrecken auszulösen. Denn die Projekte der Demokraten – Umverteilung, Steuererhöhung, Regulierung – sind schlecht fürs Kurs-Gewinn-Verhältnis. Und so war Trump trotz seines erratischen Regierungsstils lange der Wunschkandidat der Investoren. Immerhin hat er in seinem ersten Jahr Steuersenkungen von fast zwei Billionen Dollar durchgesetzt, und seine Minister beseitigen systematisch lästige Vorgaben zum Schutz von Umwelt und Beschäftigten. Zwar haben Trumps Handelskriege gegen China und den Rest der Welt und seine Abschottungspolitik auch viele Unternehmenschefs verstört. Dennoch galt: Republikaner sind gut für die Wirtschaft, Demokraten ein Risiko.