Seit 127 Jahren können Mädchen in Deutschland das Abitur machen und studieren. 1893 wurde das erste deutsche Mädchengymnasium eröffnet. Unterricht war in den ersten Wochen kaum möglich, kamen doch Besucher von überall her, um das „ungeheure Geschehen“ zu beobachten. Es gab Zweifel, ob Mädchen so belastbar seien wie Jungs und sich ernsthaft mit Lerninhalten auseinandersetzen könnten. Doch auch Männer gaben bald Entwarnung: Keines der Mädchen habe trotz intensiver Studien der Literatur „an echter Weiblichkeit auch nur im mindesten Einbuße erlitten“.

Als das Wahlrecht für Frauen vor über 100 Jahren in Kraft trat, sagte die deutsche Sozialreformerin Marie Juchacz: „Ich möchte hier feststellen …, dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“

Weder die Möglichkeit, dass Mädchen das Abitur machen dürfen, noch das Wahlrecht für Frauen kamen aus heiterem Himmel. Sie wurden ersehnt, sie wurden eingefordert, erstritten und erkämpft.

Seitdem wird immer wieder festgestellt und bewiesen: Frauen sind nicht dümmer als Männer, können Dinge nicht weniger gut, und die Republik ist durch die Reformen nicht untergegangen. Mädchen machen die besseren Schulabschlüsse, junge Frauen schließen häufiger erfolgreich ein Studium ab. Und dennoch gibt es eine Zahl, die sich seit Jahrzehnten nur wenig verändert: die Anzahl von Frauen in Führungspositionen.

Ein historischer Rückblick lohnt, um einzuordnen, worum es in diesen Tagen geht – warum unsere Geduld nun endgültig erschöpft ist. Warum wir uns nicht weiter vertrösten lassen werden.

Es ist fast 20 Jahre her, dass 2001 die damalige Familienministerin Christine Bergmann (SPD) die Gleichstellungsquote forderte. Sie scheiterte am Widerstand der Verbände, und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)…